Gudenus: "Ich lasse mir nicht von der Faschismuskeule meinen Brei verderben"

15. April 2004, 17:39
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"Falter": Nach seinem "Umvolkungs"-Sager wurde RFJ-Gudenus von FP-Parteigrößen gefeiert - Nun ist er als EU-Kandidat im Gespräch

Wien - Die Wiener Stadtzeitung "Falter" berichtet in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe über den Bundesjugendtag des "Rings freiheitlicher Jugend" (RFJ) in Mautern bei Krems, bei welchem dessen Obmann, Johann Gudenus, nach seinem "Umvolkungs"-Zitat von führenden FPÖ-PolitikerInnen gefeiert wurde. Gudenus sei nun als möglicher EU-Kandidat im Gespräch.

"Der Bundesparteiobmann der Zukunft"

"Hier sitzt der Bundesparteiobmann der FPÖ der Zukunft", schwärmte Barbara Rosenkranz, die freiheitliche Landesparteichefin von Niederösterreich und zeigte auf den jungen Mann zu ihrer Linken. Auch der Wiener Landeschef Heinz-Christian Strache, der die geschäftsführende Parteichefin Ursula Haubner vertrat, lobte Johann Gudenus in höchsten Tönen: "Er hat den Mut gehabt, auszusprechen, dass durch eine völlig skandalöse Ausländerpolitik Österreicher in vielen Bereichen zur Minderheit werden."

Haider-Nostalgie

Geht es nach den FPÖ-Landesparteichefs von Niederösterreich und Wien, soll der Jurist, Sohn des FPÖ-Bundesrats John Gudenus, künftig nicht nur bei den jungen FPÖlern mitmischen, sondern auch in der Bundespartei mehr zu sagen haben. FPÖ-Volksanwalt Ewald Stadler weiß ebenfalls, wo er den "lieben Joschi" gerne einmal sehen möchte: "Erinnert euch, wo Jörg Haider seine ersten politischen Schritte gemacht hat", so der Volksanwalt vor dem FPÖ-Nachwuchs.

"Mangelndes Demokratieverständnis"

Innerhalb des RFJ stößt der 27-Jährige jedoch auch auf Widerstand. Der Obmann des "Ring freiheitlicher Jugendlicher" wurde zwar am Samstag mit 98,6 Prozent als Vorsitzender bestätigt. Doch während der junge Blaue in Mautern am Podium stand, ließen die Obmänner des RFJ Burgenland, Oberösterreich, Vorarlberg und Tirol die Medien wissen, dass sie am Bundesjugendtag nicht teilnehmen werden und mit diesem Treffen "weder heute noch in Zukunft" in Verbindung gebracht werden wollen. Grund dafür seien die Aussagen von Johann Gudenus, sagt etwa der Vorarlberger RFJ-Chef Manuel Zosel. Auch der Tiroler Florian Phleps distanziert sich von den "inhaltlichen Vorgängen und personellen Entscheidungen aus dem Umfeld von Bundesobmann Gudenus". Alle vier Jugendchefs beteuern, dass sie die volle Rückendeckung ihrer FPÖ-Landesparteien haben. Gudenus hingegen wirft den zu Hause Gebliebenen "mangelndes Demokratieverständnis" vor.

Stadler gratuliert

Stadler hingegen gratulierte dem neuen RFJ-Vorstand "zur Härte, die ihr gezeigt habt, als euch ein heftiger Wind aus der eigenen Partei entgegengeweht hat".

Gudenus: "Ich kann's auch ,Ethno-Morphose' nennen"

Gudenus in seiner Rede: "Der Islam ist nicht integrierbar, solche Leute haben sich eine Einbürgerung nicht verdient." "Im Schweiße unseres Angesichts haben wir die Reideologisierung des RFJ betrieben", dankte er seinen Vorstandskollegen. Dann setzte es Wortwitze in Richtung Sozialdemokratie: "Brauner. Nomen est omen", schimpfte Gudenus über die Wiener SPÖ-Integrationsstadträtin Renate Brauner, "weil die betreibt den Volksaustausch." Zur "Umvolkung" und der Kritik an der Verwendung dieses Nazi-Vokabulars meinte er zynisch: "Ich kann's auch ,Ethno-Morphose' nennen." Und fügte etwas holprig hinzu: "Ich lasse mir nicht von der Faschismuskeule meinen Brei verderben." Auch die Gründung einer "10. Landesgruppe" wurde am Jugendtag beschlossen. Dort sollen sich "deutschsprachige Altösterreicher" sammeln. Dazu gibt es ein neues Vereinsgericht. Zum Vereinsrichter gekürt wurde unter anderem Volksanwalt Stadler.

Grüße und Aussichten

Nach Mautern sandten Vizekanzler Hubert Gorbach, Obmann-Stellvertreter Max Walch "Grußbotschaften", die geschäftsführende Bundesparteiobfrau und Staatssekretärin Ursula Haubner wollte keinen Kommentar zu Gudenus abgeben. FPÖ-intern wird Gudenus, der nicht nur im Wiener FPÖ-Landesvorstand, sondern auch im Bundesparteivorstand sitzt, laut "Falter" als möglicher Kandidat für den EU-Wahlkampf gehandelt. FPÖ-Bundesgeschäftsführerin Magda Bleckmann ließ den jungen Blauen ausrichten: "Die Zeit der Quereinsteiger ist vorbei. Die Partei wird verstärkt auf den eigenen Nachwuchs zurückgreifen."

Der gesamte Bericht erscheint in der kommenden Ausgabe des "Falter".

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    Gudenus nach seinem "Umvolkungs"-Sager: "Ich kann's auch ,Ethno-Morphose' nennen"

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