Iran will Schwerwasserreaktor bauen

9. April 2004, 14:05
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IAEO wertet dies als schlechtes Signal an Internationale Gemeinschaft - Zuvor hatte man sich über einen Zeitplan für Atomkontrollen geeinigt

Wien - Der Iran will nach Angaben aus Diplomatenkreisen im Juni mit dem Bau eines Schwerwasserreaktors beginnen. Der 40-Megawatt-Reaktor könne genug Plutonium für eine Atomwaffe pro Jahr produzieren, sagte ein Gewährsmann am Mittwoch in Wien. Teheran habe entsprechende Pläne bereits im vergangenen Jahr der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) mitgeteilt, trotzdem sende die Entscheidung für den Bau ein schlechtes Signal an die internationale Gemeinschaft.

Der Iran benötigt den neuen Reaktor nach eigenen Angaben, um Radioisotope für die medizinische Forschung herzustellen. Der Reaktor soll Inspektionen der IAEO unterzogen werden, damit sichergestellt ist, dass kein Plutonium produziert wird. Teheran hat zugesagt, alle seine atomaren Aktivitäten offen zu legen. Das Land setzte auf internationalen Druck im vergangenen Jahr die Anreicherung von Uran aus. Das Direktorium der IAEO warf der Regierung in einer Resolution dennoch mangelnde Kooperation bei der Offenlegung seiner Atomvorhaben vor.

Zeitplan für Atomkontrollen der IAEO steht

Ebenfalls in dieser Woche hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) sich mit dem Iran auf einen Zeitplan für Atomkontrollen in dem Golfstaat verständigt. "Wir haben uns auf einen Aktionsplan mit einem Zeitrahmen geeinigt, wie wir die ausstehenden Fragen behandeln werden", sagte IAEO-Chef Mohamed el Baradei am Dienstag nach Gesprächen mit Vertretern der iranischen Atomenergie-Organisation in Teheran.

Nun wolle der Iran seine Aktivitäten zur Anreicherung von Uran vorübergehend aussetzen. Das sagte der Leiter der iranischen Atombehörde, Gholam-Resa Akasadeh. Von diesem Freitag an werde die Anreicherung von Uran sowie die Entwicklung und der Aufbau entsprechender Anlagen vorübergehend gestoppt, kündigte Akasadeh an.

Anreicherung ausgesetzt

Die Anreicherung werde ausgesetzt, bis der Streit um das iranische Atomprogramm gelöst sei und sich die Beziehungen zur IAEO normalisiert hätten, sagte Akasadeh.

Angereichertes Uran kann zum Bau von Atomwaffen verwendet werden. Die USA werfen dem Iran seit langem vor, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet dies. Akasadeh hatte Ende März angekündigt, sein Land wolle in nächster Zeit in Isfahan die zunächst gestoppte Urananreicherung wieder aufnehmen. Dies solle aber erst nach Abschluss der Kontrollen durch die IAEO geschehen. (APA/AP/Reuters/dpa)

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