Hektische Suche nach stabilem Aktionär

16. April 2004, 14:04
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Da der Industrielle Mirko Kovats der ÖIAG offenbar als nicht mehr stabil genug erscheint, wird der Elektromulti Siemens ins Gespräch gebracht

Wien - Bis zur Hauptversammlung am 29. April ist zwar noch Zeit, langsam wird die Suche nach einem stabilen Kernaktionär für den Linzer Anlagenbaukonzern VA Tech jedoch hektisch.

Als fix beschlossen gilt, dass 15-Prozent-Aktionär ÖIAG ihre Bezugsrechte bei der geplanten Kapitalerhöhung nicht ausüben wird und ihren Anteil verwässern lässt. Offiziell heißt es zwar, die Entscheidung sei noch nicht gefallen, einzelne Kapitalvertreter betonten im STANDARD-Gespräch jedoch, ein Mitziehen der Verstaatlichtenholding sei laut ÖIAG-Gesetz völlig ausgeschlossen.

Konstruktive Lösung

Man arbeite aber intensiv an einer konstruktiven Lösung. Heißt auf gut Deutsch: Eine neue Aktionärsgruppe muss her, die in einem ersten Schritt zumindest den verwässerten ÖIAG-Anteil übernimmt.

Die Ungewissheit - lässt sich die ÖIAG auf bis zu zehn Prozent zurückfallen, ist der Industrielle Mirko Kovats mit 12,53 Prozent automatisch größter VA-Tech-Einzelaktionär - lässt auch Gerüchte aufleben, Siemens und Andritz-Eigner Wolfgang Leitner könnten sich zu einem Konsortium zusammenfinden und bei der VA Tech einsteigen.

Dass sich der Elektromulti an einem Konkurrent nur beteiligen wolle, gilt in der Branche als ausgeschlossen, zumal Siemens in seiner Energiesparte ebenso gegen die Konjunkturflaute kämpft wie die VA Tech.

Die Folge wären vielmehr ein Übernahmeangebot und die Filetierung des Konzerns, was angesichts der kartellrechtlichen Probleme im Bereich Energieerzeugung (Hydro) und der Überkapazitäten in der Infrastruktur schwer vorstellbar ist.

Siemens plant Investitionen in größerem Stil

Andererseits hat Siemens-Konzernchef Heinrich von Pierer in der Hauptversammlung kürzlich angekündigt, im Bereich Power-Transmission Investitionen in größerem Stil vornehmen zu wollen.

Übrig bliebe im Fall eines Siemens-Einstiegs von der VA Tech im Wesentlichen die Voest-Alpine Industrieanlagenbau, also die Metallurgietechnik. "Es gab einmal solche Überlegungen bei Siemens, aber das dürfte schon wieder vorbei sein", heißt es in ÖIAG-Kreisen.

Ein wenig Zeit hat die ÖIAG noch, denn der VA-Tech-Vorstand will sich Ende April erst frisches Geld von 30 bis 50 Prozent des Grundkapitals genehmigen lassen. Die ÖIAG könnte das theoretisch zu Fall bringen, wovon aber nicht auszugehen sei, heißt es.

Unannehmlichkeiten für Kovats

Mirko Kovats indes bereitet die auf Unternehmensfinanzierungen spezialisierte Investkredit Unannehmlichkeiten: Sie hat Klage gegen die Gesellschaft Z-Leasing-Capella eingebracht, die Kovats zur Hälfte gehört; die zweite Hälfte hält Kompagnon Franz Mock. Über das Unternehmen ist Kovats am Hotel Artis Tower in Wien-Oberlaa beteiligt.

Bereits Anfang der Neunzigerjahre hatte die Investkredit der Gesellschaft rund sieben Mio. Euro an Krediten gewährt. Trotz zahlreicher Versuche, wieder an das Geld zu kommen - beispielsweise über einen (nicht erfolgten) Nachschuss von Kovats und Mock oder über Zinsverzicht - zahlte die Gesellschaft ihre Schulden nicht: Sie verdient offenbar nicht genug, um ihre laufenden Verpflichtungen zu erfüllen.

Im dritten Quartal 2003 hat die Investkredit den ausständigen Kredit fällig gestellt und letztlich eingeklagt. Kovats zum STANDARD: "Ich bin zwar an dem Hotel beteiligt, mit der Causa habe ich aber nichts zu tun." Dem Vernehmen nach soll er sich im Prozess auf Probleme mit seinem Mitgesellschafter Mock berufen. (DER STANDARD Printausgabe, 06.04.2004, Luise Ungerboeck, Renate Graber)

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    Dürfte Konkurrenz als VA-Tech-Großaktionär bekommen: Mirko Kovats.

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