Tourismus in den USA erholt sich nur langsam

20. April 2004, 13:45
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Werbekampagne soll mehr Gäste anlocken

Wien/Washington - Wie sich die verschärften Einreisebestimmungen in die Vereinigten Staaten auf den US-Tourismusmarkt auswirken, wagt man im dortigen Wirtschaftsministerium nicht abzuschätzen.

"Wir haben bisher keine Informationen, welchen Effekt die Sicherheitsmaßnahmen auf die Reiseindustrie haben", erklärt ein Beamter im Gespräch mit dem STANDARD. Mit einer millionenschweren Werbekampagne sollen nach einem 30-prozentigen Rückgang in den vergangenen drei Jahren nun wieder Urlauber angelockt werden.

26 Millionen Menschen aus Übersee im Jahr 2000

Knapp 26 Millionen Menschen aus Übersee waren es noch im Jahr 2000, die als Geschäftsleute oder Urlauber in die Vereinigten Staaten eingereist sind. Im vergangenen Jahr waren es nach Terror, Sars und Irakkrieg nur mehr 18 Millionen, ein Rückgang um 30 Prozent, wie die jüngsten Zahlen des staatlichen Büros für Reise- und Tourismusindustrie (OTTI) belegen.

Die Folgen: Der Umsatz durch die Gäste aus Übersee ging von 103 Milliarden Dollar (85 Mrd. Euro) im Jahr 2000 auf 80 Mrd. Dollar zurück. Im Zusammenhang mit der gebremsten Reiselust der Amerikaner selbst gerieten Betriebe ins finanzielle Trudeln.

Konsolidierungsphase

"Es hat eine Konsolidierungsphase gegeben, einige kleinere Unternehmen bei den Veranstaltern und Hotels mussten schließen", gesteht man im Wirtschaftsministerium ein und betont gleichzeitig die positiven Signale: Der Inlandsmarkt sei wieder angesprungen, und im letzten Quartal 2003 sei auch die Zahl der Gäste aus Übersee wieder leicht gestiegen.

Handlungsbedarf sieht man dennoch: Erstmals in der Geschichte gibt es eine koordinierte bundesstaatliche Werbekampagne. 50 Millionen Dollar stehen zur Verfügung, um ausländische Touristen in die USA zu bringen.

Problem Fingerprints

Die verschärften Einreisebestimmungen könnten die Bemühungen aber torpedieren. Wie berichtet, müssen ab Herbst auch Angehörige von Staaten ohne Visumspflicht bei der Einreise in die USA ihre Fingerabdrücke und Fotos speichern lassen.

Für Österreichs Innenminister Ernst Strasser (VP) zeigt dies, dass die Vorgangsweise bei den biometrischen Reisedokumenten insgesamt zwischen der EU und den USA harmonisiert werden muss.

Gleichzeitig betont er, man würde sich überlegen müssen, wie "Zwischenstopps für unbescholtene Bürger an der Grenze vermieden werden können". Es seien auch andere Methoden als die Überprüfung der Fingerabdrücke denkbar. (DER STANDARD Printausgabe, 06.04.2004, Michael Möseneder)

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