Strompreise werden bis 2010 weiter steigen

14. April 2004, 10:55
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TU-Professor: Kioto wird Tarife um bis zu 30 Prozent treiben - Mix aus Kohle und Gas für Versorgungssicherheit

Wien - Weil sich der Bau neuer Kraftwerke derzeit nicht rentiert, rechnet TU-Professor Günther Brauner bis 2010 mit Energiepreisverteuerungen um bis zu 50 Prozent. Preistreibend um zehn bis dreißig Prozent werde zusätzlich der Handel mit Kohlendioxid-Emissionszertifikaten wirken, sagte der Vorstand des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft in einer Pressekonferenz am Montag.

Die Erzeugerpreise würden dann zwischen 5,5 bis 6,1 Cent pro Kilowattstunde (k/ Wh) liegen, was dem heutigen Tarif zu Spitzenzeiten entspräche, errechnete Brauner. Der Grund dafür liege im Wirtschaftswachstum, das den Energiebedarf jährlich um mindestens zwei Prozent in die Höhe treibe.

Da sich Österreich laut Kioto-Plan verpflichtet hat, seinen CO-Ausstoß bis 2012 um 13 Prozent zu senken, sucht man Wege zur Versorgungssicherung:

  • Eine wäre, die Produktion von Kohlekraftwerken zu forcieren, was allerdings "Kohle" kostet, weil für den CO-Ausstoß Zertifikate gekauft werden müssen.

  • Windenergie, Biomasse und Wasserkraft seien beschränkte Alternativen, denn der derzeitige Ausbau der Windenergie (auf etwa vier Prozent) würde nur den Mehrbedarf von 1,5 bis zwei Jahren decken.

  • Bei der "saubersten Energiequelle", der Wasserkraft, sei das wirtschaftlich nutzbare Potenzial bereits zu 70 Prozent ausgeschöpft, Kleinwasserkraftwerke könnten nur beschränkt aushelfen.

  • Bleiben die thermischen Kraftwerke, deren Wirkungsgrade - aufgrund ihres hohen Durchschnittsalters (22 Jahre) - rund 41 Prozent betrage und damit deutlich unter den technologischen Möglichkeiten von Kohle (48 Prozent) und Erdgas-Kombikraftwerken (59 Prozent) liegen.

  • Decken ließe sich die Bedarfslücke auch mittels Stromimporten, was allerdings - nicht vorhandene - Netzkapazitäten voraussetzt. Außerdem sind Importe nicht zertifikatspflichtig.

  • Die saubersten und effizientesten Gaskraftwerke wiederum haben einen gravierenden Nachteil: Gas ist teuer, insbesondere in Bevorratung und Transport. Neue Kraftwerksbauten wiederum verteuern den Strompreis. Brauner empfiehlt einen Erzeugungsmix aus Kohle und Gas, weil damit die billig produzierenden Kohlekraftwerke ausgedient haben könnten. (DER STANDARD Printausgabe, 06.04.2004 ung)
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