Sharon droht Arafat erneut mit dem Tod

6. April 2004, 19:46
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60 Terrorwarnungen vor Pessach-Feiertagen

Ariel Sharon hat aus Anlass der Pessach-Feiertage, die am gestrigen Montag begannen, allen wichtigen israelischen Medien große Interviews gegeben und dabei keine Gelegenheit ausgelassen, Palästinenserchef Yassir Arafat zu drohen. "Wer Juden tötet, nur weil sie Juden sind, der ist zum Tode verurteilt", sagte der Premier etwa dem israelischen Radio und fügte auf die Frage, ob Arafat in diese Kategorie falle, hinzu: "Wir wissen genau, was Arafat seit Jahrzehnten bezüglich der Ermordung von Juden macht - jedes Land, das sich respektiert und Mördern gegenübersteht, muss sich verteidigen."

Seit der Tötung von Hamas-Chef Ahmed Yassin vor zwei Wochen scheinen Politiker und Militärs durch regelmäßige Drohungen gegen die Führer von Palästinensergruppen systematisch eine Art psychologische Kriegsführung zu betreiben, kaum jemand glaubt aber, dass Israel tatsächlich einen Schlag gegen Arafat plant.

Mit wachsendem Engagement vermarktet Sharon zugleich seinen Plan eines "einseitigen Rückzugs": Alle Siedlungen des Gazastreifens sowie vier isolierte Siedlungen im Westjordanland sollen geräumt werden. Entscheidend für die Umsetzung wird Sharons Besuch in Washington am 14. April sein, bei dem er sich von US-Präsident George Bush den Segen für den Plan holen will. Anfang Mai will Sharon sich dann durch eine landesweite Urabstimmung unter allen 200.000 Likud-Mitgliedern den freiwilligen Verzicht auf Territorium genehmigen lassen.

Der seit dem Schlag gegen Yassin ohnehin enorme Sicherheitsaufwand wurde angesichts von 60 Terrorwarnungen vor dem Feiertag aufs Äußerste verstärkt. Vor zwei Jahren hatte der Anschlag auf das Park-Hotel in Netanya, wo 30 Teilnehmer an einem Pessach-Mahl getötet wurden, den israelischen Einmarsch in fast alle Autonomiestädte des Westjordanlands ausgelöst. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2004)

Ben Segenreich aus Tel Aviv
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