Afghanistan: Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Miliz

8. April 2004, 16:42
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Truppen des Milizenchefs Dostum griffen Regierungstruppen im Norden des Landes an - Karzai rief zum "Dschihad gegen Opium" auf

Kabul/Islamabad - Im Norden Afghanistans haben Truppen des Milizenchefs General Abdul Rashid Dostum am Mittwoch Regierungstruppen angegriffen. Angaben über Tote oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Das afghanische Verteidigungsministerium ordnete nach eigenen Angaben die Entsendung von rund 750 Soldaten Verstärkung für die Regierungseinheiten an, um die Kämpfe in die Provinz Farjab zu stoppen. Der Grund für die Zusammenstöße sei noch unklar, sagte ein Sprecher des Ministeriums. "Wir werden, wenn nötig, auch weitere Truppen schicken."

Der Gouverneur der Provinz sagte der in Pakistan ansässigen afghanische Nachrichtenagentur AIP, die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Miliz seien erbittert. Die Truppen Dostums, der einer der mächtigsten Kriegsherren in Afghanistan ist und zur usbekischen Volksgruppe gehört, nur noch 25 Kilometer von der Provinzhauptstadt Meimaneh entfernt gewesen.

"Dschihad gegen Opium"

Kurz nach der Afghanistan-Konferenz in Berlin hat der afghanische Präsident Hamid Karzai (Karsai) seine Landsleute zum Heiligen Krieg gegen das dramatisch wachsende Drogenproblem aufgerufen. "Es ist an der Zeit für uns, das Volk, die Älteren und die Gelehrten aufzufordern, ihren Dschihad gegen Opium aufzunehmen", sagte Karzai am Dienstag in Kabul. Anbau von Schlafmohn und Handel mit Drogen zerstörten das Land, während der Profit "an die ausländische Mafia" gehe.

Weltgrößter Produzent von Rohopium

"Ich sehe außer unverantwortlichen bewaffneten Männern und dem Mohnanbau keine anderen Probleme in Afghanistan", sagte Karzai mit Blick auf die Milizen und das Rohopium. Afghanistan ist inzwischen wieder zum weltgrößten Produzenten von Rohopium geworden, dem Grundstoff für Heroin. 75 Prozent der Weltopiumproduktion stammen aus Afghanistan und die Drogenindustrie hat sich seit dem Sturz der Taliban zum wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes entwickelt.

Die Internationale Gemeinschaft hatte dem Land bei der Afghanistan-Konferenz in Berlin vergangene Woche 8,2 Milliarden Dollar (6,80 Mrd. Euro) Hilfe und mehr Truppen in Aussicht gestellt. Damit soll Afghanistan vor neuer Gewalt und weiterem Mohnanbau geschützt werden. Afghanistan und seine sechs Nachbarländer hatten in Berlin außerdem eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Drogenhandels vereinbart.

Proteste von Opiumbauern

Im Osten Afghanistans haben sich am Montag tausende Opiumbauern zu Protesten gegen die Drogenpolitik der Regierung versammelt. Die Bauern waren im Bezirk Kama zusammengekommen, um für Dienstag eine Demonstration gegen die Zerstörung ihrer Schlafmohnfelder vorzubereiten, sagte ein Sprecher des Provinzgouverneurs der Nachrichtenagentur AFP.

Karsai hatte vergangene Woche angekündigt, die Opium-Felder in den drei Provinzen Nangarhar, Helmand und Kandahar zu zerstören und die Aktion anschließend auf das ganze Land auszuweiten. In der abgelegenen Bergregion Nangarhar, wo es besonders viele Schlafmohnfelder gibt, zerstörten afghanische Soldaten bereits 40 Drogenlabore.

Überzeugungsversuche

Dem Sprecher zufolge versuchte Provinzgouverneur Haji Din Mohammed in Gesprächen mit einzelnen Stammesführen am Sonntag und Montag von der Notwendigkeit eines Stopps des Opiumanbau zu überzeugen. Er habe betont, dass es sich bei der Zerstörung der Felder um eine Anordnung der Regierung in Kabul handle, die befolgt werden müsse.

Afghanistan ist weltweit der größte Produzent von Opium, das zur Herstellung von Heroin benutzt wird. Seit dem Sturz der radikalislamischen Taliban Ende 2001, unter denen der Anbau von Drogen streng verboten war, hat sich die Drogenindustrie zum wichtigsten Wirtschaftszweig entwickelt. (APA/dpa)

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    Ende März wurden in Kabul 1200 Kilo Haschisch verbrannt

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