Der Rektorenverein

21. April 2004, 18:28
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Ein Kommentar Von Gerfried Sperl zur jüngsten Tagung der Rektorenkonferenz

Verblüffende Erkenntnisse prägten die jüngste Tagung der Rektorenkonferenz: Freier Hochschulzugang und gedeckelte Budgets seien mit betriebswirtschaftlich organisierten Strukturen nicht vereinbar. Also formulierten die Magnifizenzen die megastarke Forderung nach "fairen Wettbewerbsbedingungen" für die Universitäten. So, als sei das neu und eben recherchiert worden.

Zum Beispiel die Abkehr vom ursprünglichen Versprechen der Politik, die Studiengebühren würden samt und sonders den Unis zugute kommen - zwecks Annäherung an die wissenschaftliche Weltklasse. Faktum ist, dass man die Studentensteuer nur deshalb eingeführt hat, um am Bildungsbudget zu sparen.

Mutige würden angesichts dieser Zustände auf die Barrikaden steigen. Anderswo. Nicht bei uns. Die nach Weltklasse strebenden Köpfe stecken dieselben plötzlich in den Sand. Hatte doch deren wiedergewählter Chef, der Wiener Rektor Georg Winckler, die Unis allesamt in GesmbHs verwandeln wollen und damit die Zustimmung des Finanzministers errungen.

Aber nicht nur das. In einem Anfall von Massenmarketing hatte Winckler in der News-Gruppe eine "neue Heimat für die Wissenschaft" gesehen und sich mit anderen patriotischen Köpfen in einem "Wissenschaftsbeirat" von Format Science versammelt. Dessen Beratung mündete sogar in eine Story über "34 Forscher, von denen Österreich noch hören wird".

Dass die Rektorenkonferenz sich jedoch vehement dafür eingesetzt hätte, die Auswanderung immer mehr junger Forscher zu verhindern, dafür sind die Herren wahrscheinlich zu seriös. Sie sind ja neuerdings auch ein Verein. Dort endet bekanntlich alles in Österreich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.4.2004)

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