Gericht besucht Ende April Dutroux' "Horrorhaus"

7. April 2004, 11:54
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Auch Geschworene können mitgehen

Arlon - Ortstermin im Dutroux-Prozess: Das Schwurgericht, vor dem sich der mutmaßliche Mädchenmörder Marc Dutroux verantworten muss, wird am 27. April das "Horrorhaus" des Angeklagten in Marcinelle nahe der südbelgischen Stadt Charleroi besuchen. Auch die Geschworenen, die Staatsanwaltschaft, Anwälte und Nebenkläger könnten dort das Kellerverlies besuchen, in dem Dutroux laut eigener Aussage seine Opfer festhielt, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Montag aus dem Gericht im belgischen Arlon.

Gerichtspräsident Stephane Goux sagte, damit solle der Ort für die Prozessbeteiligten anschaulich gemacht werden. Die Angeklagten könnten ebenfalls in den Keller hinabsteigen, falls sie dies wünschten. Nach ergänzenden Angaben dürfen die Geschworenen bei dem Besuch nicht in Kontakt mit den Angeklagten kommen. Die Polizei regte an, einen Helm zu tragen. Es könnten sich höchstens zehn bis zwölf Personen gleichzeitig im Keller des Hauses aufhalten.

Versteck hervorragend getarnt

Das Versteck in Dutroux' Keller war nach Expertenmeinung hervorragend getarnt. Im Prozess war deutlich geworden, dass nur Fachleute es hätten entdecken können. In dem 1,61 Meter hohen Raum herrschten menschenunwürdige Verhältnisse. Die eingeschlossenen Mädchen hatten nur wenig frische Luft und kein Tageslicht.

Die Familie von An Marchal, eines der Opfer, beantragte vor Gericht eine Nachstellung der Entführung vom 22. August 1996, die sich an der belgischen Nordseeküste abgespielt hatte. An und ihre Freundin Eefje besuchten dort in einem Seebad die Show eines Hypnosekünstlers. Die Mädchen seien damals von dem Hypnotiseur Rasti Rostelli auf die Bühne gebeten worden und danach verstört gewesen, berichtete der Anwalt der Familie. Nach der Veranstaltung sollen Dutroux und der mitangeklagte Michel Lelivre die Mädchen entführt haben.

In dem Prozess sind der vorbestrafte Vergewaltiger Dutroux und drei mutmaßliche Komplizen wegen der Entführung von sechs Mädchen angeklagt. Vier von ihnen starben in der Gefangenschaft.(APA/dpa)

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