Integration auf vier Pfoten

7. April 2004, 11:31
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Streichelzoo als außergewöhnliches Behindertenprojekt

Gallneukirchen – Ein erster Blick lässt eine idyllische kleine Landwirtschaft vermuten: ein ausgedienter Heustadl als Stall für Ponys, ein Freigehege mit Schafen, Ziegen und Hasen. Das Hängebauchschwein namens "Erich" ist schon eher untypisch für einen österreichischen Bauernhof.

Erst der zweite Blick lässt die eigentliche Besonderheit dieser Farm erkennen. Der so genannte "Streichelzoo" ist Teil des Beschäftigungskonzeptes für behinderte Menschen im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen. Sieben Personen mit besonderen Bedürfnissen kümmern sich – unterstützt von drei Behindertenpädagogen – um den reibungslosen Ablauf im Tiergarten der etwas anderen Art.

"Begonnen hat eigentlich alles mit einem kleinen Hasenstall, der bei den behinderten Mitarbeitern der Werkstätte sehr gut ankam. Daraus wurde 1998 die Idee für ein spezielles Tierprojekt geboren", erzählte Behindertenpädagoge Walter Aigner im Gespräch mit dem Standard. Gemeinsam mit den künftigen Mitarbeitern des Zoos wurde dann der "Stadl" adaptiert und nach gemeinsam entworfenen Plänen tiergerecht umgestaltet. Nach und nach seien dann Tiere eingezogen, der derzeitige Bestand umfasse "vier Schafe und einen Widder samt Nachwuchs, sechs Ponys, drei Ziegen, einen Esel, ein Muli und einen Lipizzaner.

Besondere Beziehung

"Es ist einfach beeindru-‑ ckend, welche besondere Beziehung zwischen den Tieren und den behinderten Menschen entstanden ist", erklärt Aigner. "Wir haben in unserem Team behinderte Mitarbeiter, die früher in anderen Arbeitsbereichen sehr aggressiv waren und absolut keine Lust am Arbeiten zeigten. Jetzt sind sie stolz, ihre Tiere zu versorgen und herzuzeigen."

Die Arbeit sei ideal für Autisten, "die diese Regelmäßigkeit im Tagesablauf unbedingt brauchen und eine intensive Beziehung zu Tieren entwickeln können, die wahrscheinlich zu Mitmenschen so nie möglich wäre", berichtet Aigner. "Für die Mitarbeiter ist die Tätigkeit im Zoo eigentlich jeden Tag ein Lernpro 3. Spalte zess." Die Tiere fungieren sozusagen als stille Vermittler zwischen Behinderten und Nichtbehinderten: "Regelmäßig kommen Schulklassen, Kindergartengruppen oder einfach Sonntagsausflügler, und unsere Mitarbeiter führen dann stolz ihre Tiere vor."

Für den richtigen Umgang mit Besuchergruppen hat ein Teil der Streichelzoo-Crew sogar spezielle Schulungen absolviert. "Es ist einfach schön zu sehen, wie wohl sich unsere Mitarbeiter fühlen – für Tiere gibt es halt keine Vorurteile", ist Aigner begeistert. (Markus Rohrhofer, Der Standard, Printausgabe, 06.04.2004)

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