"Ich werde ins Ausland gehen"

12. April 2004, 19:16
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Herbert Paierl strebt nach seinem Rücktritt eine internationale Managementkarriere an und ortet seine "liberale Auffassung" von Politik als Grund für seine Niederlage

Graz - Er sei nicht frustriert, wolle auch keine "Retourkutsche" fahren oder "abrechnen", wolle aber festhalten, dass er "nicht das Handtuch geworfen habe", sagte der steirische Landesrat Herbert Paierl am Montag im Standard- Exklusivinterview, nachdem er in einem kurzen Medienschreiben bekannt gegeben hat, sein Amt ab sofort zur Verfügung zu stellen.

Warum er nun doch so rasch zurücktrete, nachdem Landeschefin Waltraud Klasnic am Sonntag den Rücktritt für die nächsten Monate, nach Klärung aller Estag-Vorwürfe, angekündigt hatte?

Hobbymarathonläufer Herbert Paierl: "Ich will nicht ein Fall von politischer Euthanasie sein. Es gibt außerdem Situationen, wo dein Kurs, deine Laufstrecke zusammengebrochen ist. Was soll ich da noch weiterlaufen? Es geht auch darum, dass die ÖVP gut ins Ziel kommt. Manche versuchen es dorthin halt mit Fouls und unlauteren Mitteln. Soll ich jammern oder um mich schlagen? Ich akzeptiere das und bringe meinen Teil, was zu verlangen ist, ein. Was man von mir nicht verlangen kann, ist meinen Ruin oder meine Gesundheit. Ich bin nicht wehleidig, will jetzt aber nicht für weitere Irritationen in der ÖVP sorgen."

Das Ausland lockt

Herbert Paierl sieht seine Zukunft nicht mehr in der Steiermark. Der Noch-Landesrat: "Ich werde in absehbarer Zeit ins Ausland gehen und bereite mich auf eine internationale Managementtätigkeit vor. Vorher will ich aber noch im Estag-Untersuchungsausschuss zur Klärung der Causa beitragen. Ich will nicht, dass das Bild der Steiermark als Skandal-Land, als Enron an der Mur so stehen bleibt."

Ob mit seinem Rücktritt nun der Druck aus seiner Partei wegen der Estag-Affäre, die ihm angelastet wird, heraußen sei? Paierl: "Ich weiß nicht, ob jetzt der Druck weg ist. Ich habe meinen Beitrag, der auch eingefordert war, geleistet. Ich habe zu Waltraud Klasnic immer gesagt, wenn es für sie ein Problem ist, wenn es für sie höhere Ziele gibt, bin ich bereit, das Opfer zu sein. Aber ich muss hinzufügen: Ich habe nichts falsch gemacht und wüsste auch nicht, was ich anders machen hätte sollen."

Keiner Schuld bewusst

Er sei sich in der Causa Estag keiner Schuld bewusst und werde dies auch dem Untersuchungsausschuss detailliert darlegen. Paierl: "Das Problem ist dort ja erst aufgetaucht, als das Unternehmen in die Fänge der Parteipolitik geraten ist."

Einen wesentlichen Hintergrund für die Entscheidung Klasnics, ihn aus dem Feld zu nehmen, sieht Paierl auch in seinem "liberalen politischen Grundverständnis". Er sehe sich durchaus als "Aushängeschild" für liberale, politische Gesinnung.

Paierl: "Dass ich als solches von ernsthaften Kommentatoren gesehen werde, freut mich. Die Steiermark hatte immer die liberalsten Köpfe in der österreichischen Politik hervorgebracht. Und auch die Spannungen waren immer evident. Aber ich bin kein Angsthase und lasse mir mein persönliche liberale Welteinstellung im Sinne von ,ordoliberal‘ sicher nicht nehmen. Was so viel bedeutet wie Lebensbehinderungen zu beseitigen. Ich werde ÖVP-Mitglied bleiben und meine politische Heimat nicht verraten. Ich werde aber dieses liberale Weltbild weiter einbringen. Jetzt halt als Privatmann."

Offene Wirtschaftspolitik

Paierl ist überzeugt, "hätten wir in den letzten Jahren nicht eine offene Wirtschaftspolitik betrieben, hätten wir heute keinen Autocluster, kein Autoland Steiermark, keine Hightechregion, kein AlpenDetroit". Zur Landespolitik werde er sich nicht äußern. (DER STANDARD Printausgabe, 06.04.2004, Walter Müller)

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    Landesrat Herbert Paierl zu seinem plötzlichen Rückzug: "Ich will nicht ein Fall von politischer Euthanasie sein." Es gehe auch darum, dass die ÖVP gut ins Ziel komme.

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