Lufthansa: "München ist unsere Zukunft"

18. April 2004, 18:50
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Der Ausbau der Langstrecke über die Drehscheibe München und mehr Luxus für die Oberklasse sind die Wachstumspfeiler der Lufthansa, sagt ihr Vorstand Thierry Antinori

München/Charlotte- Zwar spielt das bayrische Blasmusiktrio zur Verabschiedung des Lufthansa-Erstflugs 428 München-Charlotte auch Wienerlieder wie das von den "Engerln auf Urlaub in Wean" und vom "k. & k. Infanterieregiment".

Aber das ist eher ein musikalischer Fauxpas - denn Wien ist für die Lufthansa nur ein Teil des Einzugsgebiets für ihr wachsendes Langstreckenangebot, das aus München in alle Welt geht.

"München ist unsere Zukunft", sagt Thierry Antinori, Marketingvorstand des deutschen Konzerns. "In Frankfurt haben wir keinen Platz mehr, um zu wachsen."

Wien und Frankfurt unter Druck

Innerhalb eines Jahres ist nicht nur Wien, sondern vor allem Frankfurt durch die Erffnung des luxuriösen Lufthansa-eigenen Terminals unter Druck gekommen. Der Carrier führt von München inzwischen mehr innereuropäische Flüge als von Frankfurt.

Im Interkontinentalverkehr liegt zwar Frankfurt weiter vorn, aber der Zuwachs kommt aus München, wie zwei kürzlich eröffnete Verbindungen nach Charlotte, USA, und Guangzhou, China.

Masse aus den USA

Die USA bleiben der wichtigste Langstreckenmarkt, sagt Antinori. "Dieser Markt ist reifer als China und Indien, und trotz Wirtschaftskrise ist das Wachstum zweistellig. Masse und Rendite kommt aus den USA."

Mit 19 Nordamerika- Destinationen hat sich die Lufthansa vom fünften auf den zweiten Platz, hinter British Airways, hochgeflogen. Charlotte hat - neben dem Passagieraufkommen durch deutsche Firmen - dabei besondere Bedeutung: Als Hub des neuen Allianzpartners US Airways wird es als Umsteigepunkt anstelle des überlasteten Atlanta favorisiert.

Langstrecke bleibt zentraler Pfeiler

Die Langstrecke bleibt für das Wachstum der Lufthansa der zentrale Pfeiler, sagt Antinori. Alle nach 9/11 vorübergehend aus dem Betrieb genommen Langstreckenflieger "sind wieder in der Luft" - im heurigen Sommer werde es 18 Prozent mehr Sitze und höhere Frequenzen geben.

In zwischen habe man gelernt, auf Krisen kurzfristiger zu reagieren: "Nach 9/11 haben wir neun Monate für die Umstellung gebraucht, beim Golfkrieg neun Wochen."

Business und First Class als Geldbringer

Innerhalb des Angebots bleiben eindeutig Business und First Class die Geldbringer: 20 Prozent der Passagiere bringen 60 Prozent der Erträge; kein Wunder, dass alles an Verbesserungen in dieses Segment investiert wird.

Bis 2006 wird es dauern, die Flotte mit neuen Business-Class-Sitzen auszustatten, die sich in ein zwei Meter langes Bett verwandeln. Mittelklasse ist keine in Sicht: "Es wird keine gehobene Economy geben, vier Klassen in einem Flieger sind zu kompliziert.

Aber wir werden unsere Sonderangebote in der Business ausdehnen." (DER STANDARD Printausgabe, 06.04.2004, Helmut Spudich)

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