[ro*sa] - Frauen/wohnen in Wien

29. April 2004, 11:13
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Ein selbstorganisiertes Wohnprojekt nach feministischen Grundsätzen

"A Room for one`s own!", das forderte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Virginia Woolf in ihrem Essay, in dem sie den Zugang von Frauen zu allen öffentlichen Räumen verlangt, also die Nutzung und Aneignung jener Räume fordert, von denen Frauen zur Jahrhundertwende ausgeschlossen waren wie etwa die Bibliothek eines englischen Bibliothekscampus, die Woolf in ihrem fiktiven Spaziergang zu betreten verlangt.

Woolf forderte jedoch auch die Etablierung eines tatsächlichen Raums in allen Wohnungen und Häusern, der nur Frauen vorbehalten sein sollte, ein Zimmer, in dem sie weder von Kindern noch von Dingen des Haushalts gestört werden konnten und in dem Frauen jene Begabungen und Neigungen entfalten sollten, zu denen ihnen normalerweise nicht nur die Zeit, sondern vor allem auch der Raum fehlte.

Wohnungsmarkt benachteiligt Frauen

Bis heute ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen sich jenen Raum nehmen, den sie zum wohnen, arbeiten, leben und lieben benötigen. Meistens überwiegen materielle Zwänge, familiäre Bindungen oder einfach der Mangel an einem adäquaten Raumangebot, wodurch Frauen sich nicht jenen Raum aneignen, der ihnen und ihren Neigungen entspricht. Dazu kommt, dass Frauen gegenüber Männern am Wohnungsmarkt benachteiligt sind.

Sie verdienen im Durchschnitt weniger und bezahlen so im Verhältnis zu ihrem Einkommen mehr Miete als Männer. Für alleinstehende- und verdienende Frauen reduziert sich daher leistbarer Wohnraum auf einen Bruchteil der am Markt angebotenen Wohnungen, die meist weder im Raumangebot und in der Art des Zusammenlebens noch in Lage und Umfeld tatsächlichen ihren Bedürfnissen entsprechen. Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Frauen nur selten an der Herstellung von Wohnungen, an Standortdiskussionen und an der Projektentwicklung beteiligt werden. Obwohl in den meisten Fällen hauptsächlich Frauen mit der Organisation von Wohnungen und Haushalt betraut sind, haben sie so gut wie keinen Einfluss darauf, wie diese Wohnungen tatsächlich aussehen.

Selbstbestimmtes Wohnen

Die Idee eines selbstorganisierten Frauenwohnprojektes [ro*sa] in Wien existiert nun seit über einem Jahr. Aufbauend auf den Erkenntnissen frauengerechter Planung in verschiedenen von der Stadt Wien verwirklichten Projekten der letzten Jahre formierte sich im Anfang 2003 eine Gruppe von Frauen, die ein Wohnprojekt von und für Frauen in Wien realisieren wollen, in dem alle interessierten Frauen von Beginn an entscheidend eingebunden sind.

[ro*sa] soll ein von einer Gruppe von Frauen initiiertes, organisiertes und geplantes Wohnprojekt für Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen in Wien werden. Das Konzept des Projektes wird ausschließlich von Frauen bestimmt, das Projekt selbst soll jedoch offen sein für Partner und Partnerinnen sowie für alle denkbaren Lebens- und Wohngemeinschaften. In dem Projekt sollen weder männliche Partner oder Nachkommen ausgegrenzt werden, es soll jedoch sichergestellt sein, dass die Grundsätze des Projektes, die von Frauen definiert wurden, gewahrt werden.

Generationen-Durchmischung

Das Projekt wird zudem generationsübergreifend geplant. Mehr als die Hälfte der momentanen Interessentinnen sind älter als 50 Jahre. Einige dieser Frauen wünschen sich Wohnformen, in denen sie bestimmte Funktionen wie etwa das Kochen gemeinschaftlich organisieren, wollen aber auf ihren Privatraum nicht verzichten. Andererseits zeigte sich in dem von der Arbeitsgruppe [ro*sa seniora] organisierten Workshop ein großes Potential etwa soeben pensionierter Frauen, das sich in verschiedensten, innerhalb des Projektes entstehenden Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten bzw. in Synergien zwischen den Frauen ausdrücken kann.

Differente Bedürfnisse berücksichtigen

Es soll Wohnungen für alleinstehende Frauen unterschiedlicher Lebensabschnitte, für Alleinerzieherinnen, für Frauen in Partnerschaften mit und ohne Kinder sowie für Frauen und Männer in Wohngemeinschaften beinhalten. Das Projekt soll also eine soziale Durchmischung erlauben und auch Frauen mit geringen finanziellen Möglichkeiten Raum bieten. Es muss günstig geplant und gebaut sein und muss Finanzierungsformen erlauben, die den finanziellen Möglichkeiten von Frauen entsprechen. Männer sind willkommen, so lange die Mietverträge in Hand der Frauen bleiben. Dadurch soll nicht Macht demonstriert, jedoch sollen Interessen gewahrt werden.

Interessentinnen

Derzeit gibt es zwei konkrete Objekte bzw. Grundstücke in Wien, die zur Diskussion stehen. Mit Unterstützung von engagierten Planerinnen der Stadt Wien wurden Kontakte zu möglichen Genossenschaften geknüpft und nun hofft der Verein Frauenwohnprojekt [ro*sa], so bald wie möglich mit der konkreten Planung beginnen zu können. Interessentinnen sind durchaus noch erwünscht und InvestorInnen willkommen. In Zeiten wie diesen sind nicht nur elektronische, sondern auch räumliche Netzwerke unter Frauen gefragt.

Von Sabine Pollak
Die Architektin ist für die Planung des Projektes zuständig.
Infos:
Köb & Pollak Architekten, Wien
Email
Planung: Tel.: 0650 5032854
Verein: Email
Interessentinnen: Email
Graubunt
  • Logo des Frauenwohnprojektes.
    foto: logo
    Logo des Frauenwohnprojektes.
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