Wohnen wie einst der Kaiser

24. April 2004, 12:16
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Der nächste Präsident kriegt eine Dienstwohnung in der Hofburg

Wien – Wenn es ein Thema gibt, bei dem sich die Präsidentschaftskandidaten Heinz Fischer und Benita Ferrero- Waldner einig sind, dann ist es die Dienstvilla auf der Hohen Warte. Verschimmelt, feucht, unpraktisch (bei Empfängen musste das Catering in der Garage stattfinden, da die Küche zu klein war), mit einem Wort: nicht präsidententauglich.

Nun ist amtlich, worüber zuvor schon gemunkelt wurde: Der Staat Österreich, im Besitz der ungeliebten Immobilie, wird sie verkaufen. Immerhin lassen sich im Nobelbezirk Wien-Döbling gute Preise erzielen. Von bis zu sechs Millionen Euro träumen die zuständigen Beamten im Wirtschaftsministerium. Geld, das für die anstehenden Umbauten in der Hofburg genutzt werden kann: Denn vertrauliche Pläne der Ministeriumsverantwortlichen sehen unter dem noblen Arbeitstitel "Arrondierung" eine generelle Neuordnung der Präsidentengemächer vor. Das kommt billiger, als eine neue Amtsvilla zu kaufen. Und das nächste Staatsoberhaupt kann dann in der Hofburg arbeiten, repräsentieren und schlafen – wie einst schon der Kaiser.

Zwei Möglichkeiten sind im Gespräch: Zum einen besitzt die Republik nach wie vor die ehemalige Herrschaftswohnung des legendären Leiters der Spanischen Hofreitschule, Oberst Alois Podhajsky. Nahezu 400 Quadratmeter groß, böte sie standesgemäße Bleibe. Einziger Haken: Die Podhajsky-Wohnung liegt in der Stallburg, also in einem anderen Trakt als die Repräsentationsräume der Präsidentschaftskanzlei. Wünschenswert wäre aber, dass die privaten und offiziellen Räume nahe beieinander liegen. Viele ausländische Staatsgäste empfinden es als besondere Ehre, am Ende eines Aufenthaltes auch einen Blick in den Privatsalon werfen zu dürfen. Vor allem Araber und Japaner schätzen diese Geste.

Plan zwei sieht daher eine Adaption der in unmittelbarer Nähe zur Präsidentschaftskanzlei befindlichen Räume vor. Ideal dafür geeignet wäre der Stock oberhalb der Repräsentationsräume. Thomas Klestil hat den ursprünglich als Archiv benutzten und über 600 Quadratmeter großen Trakt schon restaurieren lassen, feinste Seidentapeten und großzügige Küche inklusive. Nur das Bad fehlt noch.

ÖVP-Kandidatin und Wahl- Badenerin Benita Ferrero- Waldner hat intern schon ihr Interesse an dieser (auch im Ministerium) favorisierten Lösung signalisiert. SPÖ-Kandidat Heinz Fischer will hingegen unbedingt in seiner Privatwohnung bleiben. (to/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.4.2004)

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