"Arabische Welt" in Frankfurt höchst fraglich

9. April 2004, 12:56
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Beim Buchmessen-Spezial wackelt die Finanzierung: Sechs Monate vor Beginn fehlt noch Geld von mehr als der Hälfte der 22 Teilnehmerländer

Frankfurt/Main - Die Finanzierung des Gastland-Auftritts der arabischen Welt auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober steht noch auf wackligen Beinen. Rund sechs Monate vor Beginn der weltgrößten Buchmesse fehle noch das Geld von mehr als der Hälfte der 22 Teilnehmerländer, sagte der Präsident des arabischen und des ägyptischen Verlegerverbandes, Ibrahim El-Moallem. Das Budget liege bei drei bis fünf Millionen Euro. Die Abstimmung über die Inhalte und die einzuladenden arabischen Autoren sei zudem ein Kraftakt: "Das wird ein Wettlauf gegen die Zeit." Er sei aber optimistisch, dass sich alle Probleme noch rechtzeitig lösen ließen.

Bislang keine Beeinflussungs- oder Zensurversuche

Entgegen seiner eigenen Erwartung habe es bislang keine Beeinflussungs- oder Zensurversuche seitens der Regierungen der beteiligten Staaten gegeben, berichtete der ägyptische Verleger. Zu den in der Arabischen Liga zusammengeschlossenen 22 Länder gehören reiche Ölstaaten wie Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ebenso wie das bitterarme Somalia, der unter den Kriegsfolgen leidende Irak oder das vom Nahost-Konflikt gebeutelte Palästina.

Gute Kooperation mit der Arabischen Liga

Die Arabische Liga, die den Auftritt organisiert, kooperiere sehr offen mit dem Verlegerverband, obwohl dieser unabhängig und regierungskritisch sei, sagte El-Moallem weiter. "Ich war bereit zu kämpfen - aber niemand will mit mir kämpfen", meinte er schmunzelnd.

Abstimmungen sind zeitraubend

Die inhaltliche Abstimmung sei bei so vielen Beteiligten enorm schwierig und Zeit raubend: "Unsere Pläne, Projekte und die Einladungslisten für die Schriftsteller und die Künstler für das Rahmenprogramm müssen allen 22 Ländern vorgelegt werden. Und wenn Sie das Beste aus allen Kultursparten zeigen wollen, werden immer einige Länder anderer Meinung sein."

Einbeziehung Palästinas gestaltet sich schwierig

Schwierig sei auch die Einbeziehung Palästinas. So habe sich der palästinensische Verlegerverband beklagt, dass sein Vertreter nicht an einem Vorbereitungstreffen aller Länder in Kairo teilnehmen konnte. "Er durfte Palästina nicht verlassen", erklärte El-Moallem. "Noch ist auch nicht klar, ob die eingeladenen palästinensischen Autoren überhaupt nach Frankfurt reisen dürfen."

Arabische Buchmesse in Kairo zeigt: Ein friedliches Miteinander ist möglich

Trotz aller Unterschiede: Die 22 Staaten hätten viel gemeinsam, etwa die Sprache und das kulturelle Erbe. "Viele Schriftsteller, Sänger oder andere Künstler sind in allen arabischen Ländern berühmt. Literatur-Nobelpreisträger Nagib Mahfus zum Beispiel wird überall gelesen." Auch zeige die größte arabische Buchmesse in Kairo Jahr für Jahr, dass ein friedliches Miteinander möglich sei. (APA/dpa)

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