Polen: Regierung nicht an Schmiergeldskandal beteiligt

6. April 2004, 15:59
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U-Ausschuss sieht den Filmproduzenten Rywin in Korruptionsaffäre offenbar als alleinigen Schuldigen

Warschau - Die polnische Regierung war nach Ansicht eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses nicht an dem Bestechungsskandal um den Filmproduzenten Lew Rywin beteiligt. Zu diesem Ergebnis kam der Ausschuss in einem am Montag veröffentlichten Bericht. Rywin soll versucht haben, vom größten polnischen Verlag, Agora, ein Schmiergeld in Höhe von 17,5 Millionen Dollar (14,2 Mill. Euro) zu erpressen. Im Gegenzug soll Rywin angeboten haben, Einfluss auf das künftige polnische Medienrecht zu nehmen und für den Verlag günstige Bedingungen durchzusetzen.

Der Untersuchungsausschuss billigte den Abschlussbericht der sozialdemokratischen Abgeordneten Anita Blochowiak. Demnach soll Rywin allein gehandelt haben. Der Ausschussvorsitzende Tomasz Nalecz war in einem separaten Bericht zu dem Ergebnis gekommen, hinter dem Ansinnen Rywins habe "eine mit Macht ausgestattete Gruppe" gesteckt. Seine Position wurde dem Abschlussbericht als Anhang hinzugefügt.

Der Untersuchungsausschuss hatte unter größtem Medieninteresse ein Jahr lang getagt und die Prominenz der polnischen Politik- und Medienlandschaft befragt. Rywin hatte mit dem Blick auf laufende Ermittlungen eine Aussage vor dem Ausschuss abgelehnt. Der komplette Bericht des Untersuchungsausschusses muss noch vom Parlament gebilligt werden. Rywin, der unter anderem an den Filmen "Schindlers Liste" und "Der Pianist" beteiligt war, steht seit Dezember 2003 vor Gericht. Ein Urteil wird noch im April erwartet. (APA/dpa)

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