Tödliches Passivrauchen

11. April 2004, 16:51
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Neuseeländische Studie errechnet 15 Prozent höheres Todesrisiko als bei rauchfreier Umgebung - auch Wundheilung verzögert

London/Wellington - Passivraucher haben einer neuseeländischen Studie zufolge ein 15 Prozent höheres Todesrisiko als Menschen mit einem rauchfreien Zuhause. In einer der weltweit größten derartigen Untersuchungen hatten Sarah Hill von der Wellington School of Medicine und Kollegen die Todesraten von 600.000 neuseeländischen Nichtrauchern im Alter zwischen 45 und 74 Jahren während insgesamt sechs Jahren verglichen.

Volkszählungsdaten ausgewertet

Dabei stellten sie fest, dass unabhängig von der Todesursache etwas mehr Passivraucher gestorben waren als andere Nichtraucher. Dieser Unterschied hatte auch nach Korrekturen für Alter, Abstammung, Familienstand sowie sozialem und ökonomischen Status Bestand, wie die Forscher im "British Medical Journal" berichten. Die Forscher hatten Volkszählungsdaten ausgewertet.

In Neuseeland stürben jährlich 350 Menschen an den Folgen des Passivrauchens, sagte Damien O'Connor vom neuseeländischen Gesundheitsministerium. Zudem müssten jährlich mehr als 500 Kinder unter zwei Jahren wegen Gesundheitsproblemen durch Passivrauchen im Krankenhaus behandelt werden. "Kinder sind viel verletzlicher im Hinblick auf Passivrauchen, weil sie kleinere, empfindlichere Lungen haben", sagte O'Connor. Fernsehspots sollen Neuseeländer dazu bewegen, künftig nur noch im Freien zu rauchen.

Weiteres Forschungsergebnis

Passivrauchen kann auch die Heilung von Wunden verzögern. Für Zellen, die Rauch ausgesetzt sind, ist es laut Wissenschaftlern der University of California schwerer, sich in Richtung der verletzten Bereiche zu bewegen. Diese Fibroblaste, also Zellen, die das Bendegewebe aufbauen und helfen Zellen zu reparieren, werden klebriger und daher weniger beweglich. Ihr genetischer Aufbau wird durch den Rauch verändert. Die Forscher gehen in dem Fachmagazin BMC Cell Biology davon aus, dass die Auswirkungen beim Passivrauchen jenen bei aktiv Rauchenden gleichen.

Neben einer verzögerten Heilung wird dieses Phänomen auch für eine abnormale Vernarbung von Wunden bei Passivrauchern verantwortlich gemacht. Die Zellen bleiben lam Rand der Verletzung konzentriert und verhindern so, dass sich die Wunde richtig schließt. Das Team versetzte Zellkulturen mit Zigarettenrauch und erzeugte so eine Lösung, die die Hauptbestandteile von Passivrauch enthielt. Diese Lösung wurde in der Folge so lange verdünnt, bis sie die im Gewebe von Passivrauchern vorgefundenen Werte erreichte.

Wurde die Lösung Fibroblasten hinzugefügt, verlängerten sie sich und trennten sich voneinander. Zusätzlich erhöhte sich die Anzahl der Punkte, an denen die Zelle an der Petrischale haftete. In einem weiteren Experiment wurde nachgewiesen, dass Fibroblaste, die in einem rauchigen Umfeld kultiviert wurden, weniger beweglich waren als andere Zellen. Derzeit werden Versuche mit Mäusen durchgeführt. Erste Ergebnisse legen nahe, dass die Wunden jener langsamer heilen, die sechs Monate lang Rauch ausgesetzt waren. Den Tieren wurden mittels einer Lochstanze Wunden mit einem Durchmesser von fünf Millimetern zugefügt. Nach sieben Tagen waren die Wunden der Mäuse, die keinem Rauch ausgesetzt waren, zu 95 Prozent geschlossen. Im gleichen Zeitraum schlossen sich die Wunden von Tieren, die Rauch ausgesetzt waren, erst zu 85 Prozent. (APA/pte)

Vgl. "British Medical Journal"
DOI: 10.1136/ bmj.38070.503009.EE

BMC Cell Biology
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