Uran im Urin

11. April 2004, 16:50
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Nachweis von Kontamination durch US-Waffen im Irak möglich

Frankfurt - Neuartige Untersuchungsmethoden erlauben den Nachweis der Uran-Kontamination von Zivilbevölkerung und Soldaten durch US-Waffen im Irak. Die Ergebnisse einer am Mineralogischen Institut der Universität Frankfurt durchgeführten Studie zeigen, dass sich abgereichertes Uran im Boden wie auch zum Teil in geringen Mengen im Urin von Menschen leicht feststellen lässt. Der Uranstaub, der bei der Detonation oder dem Einschlagen der Geschoße freigesetzt wird, steht im Verdacht die Gesundheit zu schädigen, berichtet die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt.

Verharmloste Gefahr?

Abgereichertes Uran (Depleted Uranium) wird als Kern in zahlreichen Geschossen verwendet, da es aufgrund der hohen Dichte des Urans eine erhöhte Durchschlagskraft verleiht. Abgereichertes Uran fällt als Abfallprodukt beim Herstellungs- und Wiederaufbereitungsprozess von reaktorfähigem Uran an und behält dabei etwa 60 Prozent seiner Radioaktivität. In den beiden Golfkriegen aber auch im Kosovokonflikt wurde die als gesundheitsgefährdend eingeschätzte Munition mit abgereichertem Uran vielfach eingesetzt.

Kritiker bemängelten, dass bisherige Untersuchungen die Gefahr verharmlosten und das Problem bagatellisierten. Offiziell wurde erklärt, dass sich das abgereicherte Uran kaum oder gar nicht in der Umwelt und erst recht nicht im Urin von Menschen nachweisen lasse, es sei denn, die Kontamination erfolge über eine Wunde. Normale Uran-Konzentrationen im Urin sind mit nur wenigen Teilen pro Billionstel (ppt) meist so niedrig, dass sie unterhalb der Nachweisgrenze der meisten Bestimmungsmethoden liegen.

Neue Methodik

Axel Gerdes vom Institut für Mineralogie hat nun eine Methodik zur Bestimmung der Uran-Isotopenzusammensetzung im Urin am Natural Environment Research Council NERC-Isotopenlabor in Nottingham mitentwickelt. Die Methodik erlaubt den Nachweis noch geringerer Anteile abgereicherten Urans in biologischen und geologischen Proben noch exakter zu bestimmen, als dies bisher in anderen Labors weltweit möglich war. Neue Reinstluftlabore in Frankfurt und ein modernes Multikollektor-Massenspektrometer erlauben die gleichzeitige Analyse verschiedener Isotope. Neben den drei natürlichen Isotopen lässt sich auch das im Kernreaktor entstandene U-236 im Urin in vorher noch nicht nachweisbar kleinen Mengen belegen.

Mit der Untersuchung der Proben wurde Gerdes durch das Uranium Medical Research Center, Toronto, beauftragt. Die privat finanzierte Forschungseinrichtung, die von einem ehemaligen Arzt der US-Armee gegründet wurde, hatte die Entnahme von Bodenproben so wie Urin-Proben der Zivilbevölkerung im Irak im vergangenen September ohne offiziellen Auftrag veranlasst. Die Urinproben der amerikanischen Armeeangehörigen wurden von der Zeitung New York Daily News beschafft und die Analyse am Frankfurter Institut in Auftrag gegeben.

Weitere Untersuchungen vonnöten

Trotz der in den Urin-Proben nachgewiesenen geringen Mengen - nur 0,2 bis etwa 10 Prozent des gesamten Urans im Urin repräsentieren abgereichertes Uran - lassen sich daraus noch keine abschließenden Wertungen hinsichtlich des gesundheitlichen Gefährdungspotenzials ableiten, berichten die Forscher. Dies bedürfe weiterer Untersuchungen.

Wenn die Uranpartikel durch Inhalation von Staub in die Lunge aufgenommen werden, dann lässt der Urintest nur bedingt eine Abschätzung des Ausmaßes der eingeatmeten Menge zu. Diese unter sehr hohen Temperaturen gebildeten Partikel sind nahezu unlöslich in der Lungenflüssigkeit und verbleiben daher möglicherweise über Jahrzehnte im Körper. Die radioaktive Wirkung des Urans, die äußerlich eher vernachlässigbar ist, hat im Inneren des Körpers aber eine andere Qualität, da die beim Zerfall entstehenden Alphateilchen sehr energiereich sind und direkt und über lange Zeit auf das Gewebe einwirken können, berichten die Forscher. (pte)

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