"Kronen Zeitung" gegen WAZ-Konzern: Schiedsgericht tagte montags erstmals

22. April 2004, 17:34
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Die Parteien haben sich zur Verschwiegenheit verpflichtet - Für Dragon "Eröffnungsspiel" und "atmosphärisch" von Interesse

Im Konflikt zwischen den Hälfteeigentümern der "Kronen Zeitung", Hans Dichand und WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), tagte am Montagnachmittag in Wien erstmals das Schiedsgericht. Die WAZ hatte dieses Schweizer Gremium eingeschaltet, um die Abberufung des 83-jährigen Dichand als Hauptgeschäftsführer durchzusetzen. Der Showdown ließ sich am Montag indes unspektakulär an. Die Parteien haben sich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Nicht einmal der Termin am Montag wurde offiziell bestätigt.

Friedrich "Bibi" Dragon, langjähriger Weggefährte Dichands und nun Prokurist der WAZ-Beteiligungsgesellschaft an der "Kronen Zeitung", meinte am Montag auf APA-Anfrage nur, die erste Sitzung sei "wie ein Eröffnungsspiel" und "atmosphärisch recht interessant". Von Seiten der WAZ wurde auf APA-Frage nach einer möglichen Stellungnahme beschieden: "Da ist nichts zu erwarten." Und die Rechtsvertreter der beiden Seiten haben bereits in den vergangenen Wochen stets ihre Verpflichtung zur Verschwiegenheit betont.

Entscheidung ist bindend

Die Schiedsrichterriege besteht aus dem Schweizer Anwalt Bernhard Meyer-Hauser als Vorsitzender, dem österreichischen Rechtsanwalt Christian Hausmaninger (von Dichands Seite nominiert) sowie Martin Karollus, Rechtswissenschafter an der Uni Linz und von der WAZ nominiert. Die Entscheidung des Gremiums ist für beide Streitparteien bindend, eine Berufungsmöglichkeit ist nicht vorgesehen.

Schon seit längerem tobt der Konflikt um Österreichs meist gelesene Tageszeitung mit variierender Heftigkeit. In den vergangenen Monaten wurde er mit flankierenden Klagen zumeist an Nebenfronten ausgetragen. "Es gibt inzwischen schon so viele Verfahren", hatte Dichand selbst bereits im November des Vorjahres konstatiert.

Es gehts ans Eingemachte

Im Schiedsgerichtsverfahren aber geht es ans Eingemachte. Die WAZ wirft Hans Dichand vor, seine Pflichten als Hauptgeschäftsführer verletzt zu haben. Ganze Listen solcher Pflichtverletzungen hat die WAZ im vergangenen Jahr erstellt. Im Kern wolle man ein für alle Mal die Führungsfrage klären, haben die WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und Erich Schumann wiederholt betont.

Ausgelöst wurde der Kampf um die "Krone" durch die Entscheidung Dichands, seinen Sohn Christoph zum Chefredakteur zu bestellen. Mit einem Kompromiss wurde dieser Streit vorerst beigelegt. Dann aber sorgten Aussagen von Dichands zweitem Sohn Michael für eine neuerliche Eskalation, indem er der WAZ Geschäftsverbindungen mit mafiösen Kreisen am Balkan unterstellte.

Als Etappensieg für die WAZ wird in Branchenkreisen indes die Einstellung des "U-Express" gewertet: Die deutschen Partner waren von Hans Dichands Gratiszeitung nie sonderlich angetan und befürchteten Kannibalisierungseffekte. Der "U-Express"-Vertrag wurde denn auch gegen Dichands Stimme nicht verlängert. (APA)

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