Schumacher und dann nichts

20. April 2004, 11:45
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Nach seinem Triumph im GP von Bahrain dämpft der Ferrari-Pilot dennoch die Euphorie - Miese Stimmung bei McLaren - Klien hofft auf Imola

Manama - Drei Rennen, drei Siege. Michael Schumacher ist bisher der große Dominator der Formel 1-WM 2004, klopft aber noch keine großen Sprüche: "Die schwierigen Zeiten kommen noch für uns, dafür schaffen wir uns jetzt ein Polster. Die Erfahrung aus vielen Jahren Formel 1 hat gezeigt: Das Blatt kann sich schnell wenden", sagte der Deutsche mit dem Hinweis auf die Aufholjagd von Williams-BMW im Vorjahr. "Da hatte in den ersten Rennen auch niemand mehr damit gerechnet, dass Williams noch eine WM-Chance hat."

Das gegenwärtige Szenario erinnert aber mehr an 2002 als an 2003. Damals gewann der Deutsche elf Rennen und sicherte sich so schnell wie kein anderer den Titel. Heuer erweist sich Schumacher erneut als Spannungstöter, auch wenn der sechsfache Champion bemüht ist, die Dramatik hochzuhalten und vor voreiliger Siegesgewissheit warnt: "Es ist noch sehr viel Zeit, und es sind sehr viele Rennen."

Glückliches Italien

Die europäische Presse hat die Konkurrenz schon abgeschrieben. Die spanische Zeitung "El Pais" stellt schon jetzt klar: "Es gibt eine unbestreitbare Tatsache: die Überlegenheit von Ferrari kann die WM der Formel 1 buchstäblich ruinieren." Der Schweizer "Blick" mahnt: "Ferrari-Gegner schämt euch! Große Sprüche - faule Leistungen." Und ganz Italien jubelt. "Zwei Ferrari und dann kommt das Nichts. Der unfehlbare Michael ist galaktisch", schrieb am Montag "La Gazzetta dello Sport". "Schumi und Barrichello - wer soll sie noch aufhalten? McLaren versinkt im Chaos", hieß es in "La Stampa".

Für die Ferrari-Konkurrenz sind die Worte des Rekordchampions nur ein schwacher Trost. Während der Überseerennen in Australien, Malaysia und auf dem Wüstenkurs in Sakhir brauchte Schumacher gar nicht ans Limit zu gehen, um das Feld nach Belieben zu kontrollieren. Williams-BMW und McLaren-Mercedes suchen verzweifelt den Anschluss, sind aber mehr mit sich und ihrer tiefen Krise beschäftigt. BAR-Honda mit dem zweifachen Saison-Dritten Jenson Button und Renault haben zwar aufgeholt, können sich derzeit aber nur mit Williams-BMW um den Platz hinter Ferrari streiten.

Durchhalteparolen bei McLaren

"Ich gebe bestimmt nicht auf", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach dem schwärzesten Renn-Wochenende seit Jahren für die Silbernen mit den Ausfällen von Vizeweltmeister Kimi Räikkönen und David Coulthard. Mit vier Punkten ist McLaren-Mercedes vorerst nur noch die fünfte Kraft in der Formel 1. Räikkönen kann nach seinem dritten vorzeitigen Aus die Titelambitionen vergessen. "Auf keinen Fall" denke er an Rücktritt, so Haug.

Große Hoffnungen kann sich die Konkurrenz nicht machen, denn die nächste Strecke im italienischen Imola, wo am 25. April das erste Europa-Rennen der Saison stattfindet, liegt Ferrari. Dort hofft allerdings Christian Klien auf einen weiteren Schritt vorwärts. "Das Auto war sehr gut, doch nach meinem Dreher war die mögliche Chance auf einen WM-Punkt weg. Wir haben aber eine sehr gute Grundlage, auf der man weiter aufbauen kann", meinte der Hohenemser, der sich in Imola einiges zutraut: "Diese Strecke kenne ich bereits und die dortigen Schikanen liegen mir gut."(APA/dpa)

  • Applaus für den Sieger.

    Applaus für den Sieger.

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