"Hölf Gott, dass woah is!"

11. April 2004, 16:51
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Wiener Forscher machen weiteren Schritt zur Ergründung des Erfolgsgeheimisses der Schnupfenviren

Wien - Vielfalt ist das Erfolgsgeheimnis des Schnupfenvirus, und immerhin hat sich der Erreger bisher einer echten Therapie durch die moderne Medizin widersetzt. Nur Stück für Stück entreißen die Wissenschafter dem Plagegeist seine Geheimnisse. Forscher am Institut für Medizinische Biochemie am Vienna Biocenter konnten nun ein weiteres Mosaikstückchen hinzufügen: Sie klärten die dreidimensionale Struktur des Mechanismus auf, wie der so genannte Minor-Typ des Virus an eine Zelle andockt. Die Untersuchungen wurden in der jüngsten Online-Ausgabe der britischen Wissenschaftszeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Rund 100 verschiedene Typen des Schnupfenvirus kennen die Forscher mittlerweile, wobei sich diese durch die Beschaffenheit der Außenhülle unterscheiden. Durch die unterschiedlichen Oberflächen versuchen die Viren gleichsam dem menschlichen Immunsystem ein Schnippchen zu schlagen, denn dieses muss für jeden Schnupfenvirustyp maßgeschneiderte Antikörper zur Verfügung stellen.

Andockprozess

Um etwa in eine Zelle der Nasenschleimhaut eindringen zu können, muss das Virus zuerst an eine Oberflächenstruktur der Zellen andocken. Diese so genannten Rezeptoren für die Schnupfenviren kennen die Forscher bereits seit einigen Jahren. Für die Schnupfenviren der so genannten Minor-Gruppe konnten die Wiener Wissenschafter nun mittels Röntgenstrukturanalyse genau abklären, was sich zwischen den Oberflächen von Virus und Zelle abspielt, wie also der Andock-Mechanismus im Detail aussieht. Die Minor-Gruppe stellt etwa ein Zehntel der bekannten Schnupfen-Virentypen.

Um derart feine Strukturen wirklich dreidimensional abbilden zu können, mischten die Forscher Teile der Rezeptor-Eiweiße (Protein-Domänen) mit den Viren in einer Lösung. Nach dem Eintrocknen bilden sich Kristalle, die dann in Zusammenarbeit mit spanischen Kollegen mittels Röntgenstrukturanalyse untersucht wurden. Erst durch die Kristallisation werden nämlich die inneren Strukturen sichtbar. (APA)

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