Herausforderung für australische Forscher

11. April 2004, 16:42
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Erbgut eines Kängurus soll entziffert werden - eine halbe Milliarde Bausteine mehr als beim Menschen

Berlin - Australische Forscher wollen das Erbgut des Kängurus entziffern. "Das Känguru ist zwar weniger mit dem Menschen verwandt als die Maus oder der Schimpanse, aber immer noch nah genug, um Rückschlüsse auf beispielsweise die Fortpflanzung machen zu können", sagte die australische Forscherin Jennifer Graves am Montag auf dem Weltkongress der Humangenom-Organisation in Berlin. Das Känguru, genauer gesagt das Tammar-Wallaby (Macropus eugenii), hat demnach rund 3,5 Milliarden Genbausteine und damit etwa eine halbe Milliarde mehr als der Mensch.

Die Erbinformation des Kängurus liegt jedoch nur auf acht Erbgutträgern (Chromosomen), der Mensch besitzt 23 Chromosomen. Die Begeisterung für die Forschung an dem australischen Tier ergreife auch die Bevölkerung. So gab es im vergangenen Jahr eine Briefmarke mit den acht Chromosomen des Tieres. Das Beuteltier und die gemeinsamen Vorfahren anderer Säuger trennten sich während der Evolution nach Graves Angaben vor 180 Millionen Jahren, Mensch und Maus hingegen erst vor 70 Millionen Jahren.

Die Besonderheit der Beuteltiere

Besonderes Augenmerk wollen die Forscher auf das X-Chromosom und Gene richten, die die Embryoentwicklung des Kängurus vorübergehend stoppen. "Bei einem Stadium von 164 Zellen hält die Zellteilung des Embryos für mehr als 340 Tage an", erläuterte Graves. Nach der Pause gehe die Zellteilung weiter. "Wenn wir herausfinden, warum dies und wie dies funktioniert, könnten wir die Erkenntnisse für die Forschung auch an anderen embryonalen Zellen nutzen." Darüber hinaus sei das Känguru gegen eine Reihe von Krankheiten resistent und produziere drei verschiedene Sorten Milch.

Geplant sei eine zweifache Sequenzierung des Erbguts mit der so genannten Schrotschussmethode, sagte Graves von der Australischen Nationaluniversität in Canberra. Die Finanzierung sei aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Bei der Schrotschussmethode wird die Erbinformation in sehr viele Teile zerstückelt, gelesen und hinterher am Computer wieder zusammengesetzt. (APA/dpa)

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