Vom Frühlingsfest zur Auferstehung

9. April 2004, 10:56
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Ostern in aller Welt: In Australien bringt ein Beuteltier die Eier, auf den Philippinen lassen sich Gläubige kreuzigen

Hamburg - Ostern (althochdeutsch: Ostarun, angelsächsisch: Eostre) war einst der Name eines heidnischen Frühlingsfestes und der Frühlingsgöttin. Gleichzeitig ist es das älteste und bedeutendste christliche Fest, das aus der Umdeutung des jüdischen Passah-Festes hervorgegangen ist. Seit Mitte des 2. Jahrhunderts gedenken Christen weltweit in dieser Zeit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi.

Freud und Leid liegen bei den Oster- und Frühlingsfeiern dicht beieinander. Christliche und heidnische, fröhliche und ausgelassene, aber auch grausige Bräuche wiederholen sich alljährlich im Frühjahr. Die vorösterliche Karwoche gilt vor allem in katholischen Regionen der Besinnung und inneren Einkehr. Am Gründonnerstag - dem Tag vor der Kreuzigung - wird im süddeutschen und österreichischen Raum viel Grünes gegessen wie Spinat und Kräutersuppen. An diesem Tag gelegte Eier sollen Glück bringen und Unheil abwehren.

Abstinenz- und Fasttag

Der Karfreitag wird vielfach als Abstinenz- und Fasttag gehalten. In der Bretagne werden dann Veilchen ausgesät, die Blumen der Göttin Persephone. In Böhmen durfte am Karfreitag kein Brot gebacken werden, weil da die Hexengefahr besonders groß gewesen sein soll.

In Australien wurde der Hase wegen der Kaninchenplage durch den Bilby ersetzt, einem kleinen Beuteltier mit langer Nase und großen Ohren - eine sehr praktische Variante, da der Osterbilby seine Eier nicht im Korb, sondern im Beutel transportieren kann. Schwedische Frauen, die einen Liebsten erobern möchten, gehen in den Osternächten heimlich an eine Quelle oder einen Fluss, um das Osterwasser zu holen. Sie dürfen dabei weder sprechen, noch den schlafenden Geliebten aufwecken, wenn sie ihn mit dem Wasser besprengen.

"Easter Parade" in den USA

Mit der großen "Easter Parade" wird in den USA Ostern gefeiert, Mittelpunkt ist die Stadt New York. Im Weißen Haus in Washington lassen bereits seit mehr als 100 Jahren Angestellte im Garten Eier von kleinen Hügeln rollen, die Kinder aufsammeln dürfen. In Atwater (Kalifornien) wird vor Ostern ein zwei Meter hohes Kreuz gebaut, das Holz stammt vom Christbaum. Kinder schmücken das Kreuz mit Blumen. Bulgarische Tradition zu Ostern ist, dass Kinder in bunten Trachten von Haus zu Haus gehen und Süßigkeiten und Ostereier erbitten.

Mit Kreuzigungsritualen und blutigen Selbstgeißelungen wird im Dorf Cutud unweit der Hauptstadt Manila auf den Philippinen der Karfreitag begangen. Männer und Frauen lassen sich mit etwa zehn Zentimeter langen Stahlstiften durch die Handflächen an Holzkreuze nageln; viele Gläubige schlagen sich mit Bambusstöcken und Peitschen, an denen Glassplitter kleben, in einer Prozession den eigenen Rücken blutig, um für ihre Sünden zu büßen. Die katholische Kirche lehnt diese grausigen Zeremonien als "Fehlinterpretation des Glaubens" ab.(APA/dpa)

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    Ein orthodoxer Christ zündet während einer Ostermesse eine Kerze an

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