Vorarlberg: Geologen bohren nach der frühen Siedlungsgeschichte

11. April 2004, 16:37
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Aufschlüsse über Rodungen, Alm- und Viehwirtschaft

Bregenz - Blütenstaub aus längst vergangenen Tagen soll helfen, die Siedlungsgeschichte Vorarlbergs genauer zu datieren. Am Mittwoch wird dazu ein Geologen- und Botanikerteam dem Körbersee bei Schröcken am Hochtannberg mehr als nur auf den Grund gehen: Vom Eis des zugefrorenen Alpsees auf rund 1.650 Meter Seehöhe soll in einer aufwändigen Aktion ein so genannter Sedimentskern gebohrt werden.

Die Seesedimente sind "ein wertvolles Archiv, das Informationen über die Vegetations- und Klimageschichte seit der letzten Eiszeit speichert. Die Ablagerungen werden auf ihren Gehalt an Blütenstaub untersucht. Neben der Waldentwicklung der vergangenen 10.000 Jahre sind über den Blütenstaub von Kulturpflanzen auch Eingriffe des prähistorischen Menschen in die vergangene Vegetation dokumentiert", erklärt Georg Friebe von der inatura in Dornbirn. Das Vorarlberger Naturkundemuseum fördert dieses Forschungsprojekt unter der Leitung des Innsbrucker Botanikers Klaus Oeggl.

Rekonstruktion der Vergangenheit

Man wisse nicht, so Friebe, was die Bohrmannschaft am Körbersee erwarte: "Gebohrt wird durchs Eis, weil es im Sommer von einem Schiff aus noch komplizierter wäre, dann durch den Grund bis hinunter zum gewachsenen Fels. Ob darüber Schlamm oder Moor sein wird, das werden wir sehen." Gewünscht wird von den Wissenschaftern jedenfalls kein Moorgrund, denn der könnte durch Holzstücke zu Problemen führen. Die Ablagerungen werden später dann in Innsbruck von Vegetationsgeschichtlern auf ihren Gehalt an Pollen untersucht.

So soll die Entstehung der Kulturlandschaft bzw. der Almwirtschaft im Tannberggebiet rekonstruiert werden. Das Forschungsvorhaben soll den Beginn der menschlichen Besiedlung und die einzelnen Siedlungsphasen seit der Urzeit im Tannberggebiet feststellen.

Erkenntnisse zur Datierung

Es ist dies die Fortsetzung eines Projektes, das im Jahr 2002 beim Kalbelesee bei Warth gestartet wurde. Die ersten Ergebnisse dieser pollenanalytischen Untersuchung hatten aus wissenschaftlicher Sicht "sensationelle neue Erkenntnisse zur frühen Besiedlungsgeschichte" geliefert, so Friebe: Dieser Bohrkern habe dokumentiert, dass der Mensch seit der Spätbronzezeit am Hochtannberg gesiedelt hat.

Etwa um 900 v. Chr. sei der Baumbestand rund um den Kalbelesee gerodet und das Gebiet kontinuierlich durch den Menschen als Viehweide genutzt worden. Eine exakte zeitliche Zuordnung der menschlichen Vegetationsveränderungen im Mittelalter stehe zwar noch aus, aber sie falle vermutlich mit der Zuwanderung der Walser aus der Schweiz in das Tannberggebiet zusammen. Die neuen Untersuchungen aus dem Körbersee sollen eine genauere Datierung liefern. (APA)

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