IT-Branche erobert Osteuropa

9. April 2004, 15:39
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Wachstum von bis zu 15 Prozent erhofft - Westeuropäische Firmen sind bereits in allen Ballungsgebieten vertreten

Wien - Der Markt für Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK) in den zehn EU-Beitrittsländern wird nach Branchenschätzungen je nach Land in den nächsten Jahren zwischen 8 und 15 Prozent wachsen. 2003 beliefen sich alleine die IT-Ausgaben der Beitrittsländer auf 10,6 Mrd. Dollar (8,61 Mrd. Euro), so das internationale Beratungsunternehmen IDC. Im Umbruch befindet sich derzeit der Telefoniemarkt, der von zwei Entwicklungen gekennzeichnet ist: Der Liberalisierung und dem damit verbundenen massiven Einstieg westeuropäischer Anbieter sowie dem Zurückdrängen des Festnetzes durch den Mobilfunk. In Österreich hatte die Liberalisierung des Telekom-Marktes 1997 begonnen.

Keine "grüne Wiese"

Eine "Grüne Wiese" für westeuropäische Firmen findet man bestenfalls noch in den kleinen Beitrittsländern oder in den ländlichen Regionen. In den Ballungsgebieten sind inzwischen alle großen Anbieter vertreten. "Die Wettbewerbsbedingungen sind hier mit denen in Westeuropa vergleichbar", so der Geschäftsführer des österreichischen IT-Osteuropaexperten S&T, Karl Tantscher, im Gespräch. Die Eroberung des IT-Marktes durch europäische Anbieter erfolge meist im Sog großer Banken und Dienstleister, die Standorte in mehreren Ländern eröffnen und deshalb einen Anbieter benötigen, der diese Filialen vernetzt.

Symbolisches Datum

Für die ITK-Branche ist der EU-Beitritt der Erweiterungsländer am 1. Mai 2004 ohnehin nur ein symbolisches Datum. Die großen europäischen Telekombetreiber, allen voran die Deutsche Telekom, sind ohnehin schon länger in den Ostmärkten vertreten. In Österreich ist die Telekom Austria im Beitrittsland Slowenien und in Kroatien über Mobilfunkfirmen präsent. In Tschechien ist die Telekom Austria mit ihrer 100-Prozent-Tochter Czech On Line vertreten. Dass es in Österreich zu einem Massenexodus heimischer ITK-Betriebe in die EU-Beitrittsländer kommt, schließt Tantscher aus. Die großen Unternehmen seien ohnehin schon alle in den Ostländern aktiv.

"Weitgehend aufgeschlossen"

Für den Österreich-Chef von T-Systems, einer Tochter der Deutschen Telekom, Rudolf Kemler, haben Tschechien, Ungarn, die Slowakei und Slowenien im IT-Bereich bereits zu Österreich "weitgehend aufgeschlossen". Schlechter schaue es bei der Telefonausstattung aus, insbesondere im Festnetzbereich. Noch etwas höheren Nachholbedarf sieht er in Polen. Aber grundsätzlich gelte: "Wer jetzt noch nicht in den Beitrittsländern ist, hat den richtigen Startpunkt schon fast verpasst", so Kemler.

Laut IDC sind in Polen die ITK-Ausgaben mit knapp 15 Mrd. Euro die höchsten unter allen Beitrittsländern und mehr als doppelt so hoch wie beim Zweitplazierten Tschechien. "Musterschüler" Slowenien hat laut Tantscher bei Computern in Privathaushalten bereits die Ausstattungsrate von Österreich erreicht. Neben Slowenien gilt Estland als eines der fortschrittlichsten Länder innerhalb der Beitrittskandidaten. Laut einem EU-Bericht aus dem Jahr 2002 wurde der Telekommarkt schon Ende der 90er-Jahre weitgehend liberalisiert. Der Mobilfunksektor habe sich demnach "sehr erfolgreich entwickelt", bereits 2002 wurde eine Penetrationsrate von 50 Prozent überschritten. Noch weiter ist Estland bei den Internetanschlüssen. "Die Internet-Versorgung ist die dichteste der mittel- und osteuropäischen Länder", so das Urteil der EU.

Tschechen und Slowenen lieben das Handy

Nachbar Lettland sowie Litauen können da nach EU-Angaben nicht mithalten. Ende 2002 hatte lediglich knapp ein Drittel der Bevölkerung einen Festnetz- und/oder Mobilfunkanschluss. In der Slowakei betrug die Anschlussdichte im Festnetz 2002 etwa 32 Prozent, 40 Prozent hingegen hatten ein Handy. Die Slowenen, wo die Mobilkom Austria mit der Mobilfunktochter si.mobil vertreten ist, hatten eine UMTS-Lizenz bereits im November 2001 vergeben. 2002 betrug die Penetrationsrate im Mobilfunk 69 Prozent. Im Festnetz erreichte 2002 die Versorgung 41 Prozent. " Neben den Slowenen sind laut EU-Bericht die Tschechen die größten Handyliebhaber. Auf dem Markt sind, bei einer mit Slowenien vergleichbaren Penetrationsrate drei Mobilfunkbetreiber tätig und die Regierung hat zwei der drei verfügbaren UMTS-Lizenzen vergeben. In Ungarn betrug die Handy-Penetrationsrate über 50 Prozent, im Festnetz lediglich 37 Prozent.

Der westeuropäische Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (IKT) soll 2004 um 3,1 Prozent wachsen und der Branche 609 Mrd. Euro Umsatz bringen, so der deutsche IKT-Fachverband Bitkom. Innerhalb Westeuropas hält der deutsche ITK-Markt mit einem Anteil von 22 Prozent die Spitzenposition vor Großbritannien mit 21 Prozent und Frankreich mit 15 Prozent. (APA)

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