Elektroschrott macht Sorgen

13. April 2004, 12:01
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EU-Richtlinie setzt Industrie und Forschung unter Druck

Elektroaltgeräte dürfen ab 13. August nicht mehr einfach so weggeworfen werden. Basis dafür ist eine EU-Richtlinie, die als Abfallbehandlungspflichten-Verordnung umgesetzt werden soll. Ein Entwurf dafür ist gerade in der Begutachtungsphase. Vor allem im Bereich der Gerätelagerung sowie der Schadstoffentfrachtung werden die Vorschriften drastisch verschärft. Die Elektroindustrie wird dabei in die Pflicht genommen.

Die Begeisterung darüber hält sich naturgemäß in Grenzen. Fachverbands-Vizechef Manfred Müllner fordert daher noch einige Lockerungen der Bestimmungen: So müssten zur Durchführung der Bauteil-Selektion neben manuellen auch diverse technische Verfahren zugelassen werden, meint Müllner. "Die Personalkosten dafür werden sonst unbezahlbar." Wer die finanziellen Auswirkungen der neuen Regelung tragen wird, ist derzeit Gegenstand von Verhandlungen. Beim Fachverband glaubt man allerdings, dass sich Hersteller und Gemeinden die Kosten teilen werden. "Es wäre durchaus sinnvoll, die bereits vorhan- denen Sammelstrukturen der Kommunen weiter zu nutzen. Die Hersteller könnten dann ab einer gewissen Mindestmenge für Abholung und Entsorgung verantwortlich sein", so Müllner.

Die Bedeutung der stofflichen Verwertung wird durch die neuen Bestimmungen also weiter ansteigen. Der Umweltdienst Burgenland arbeitet in Kooperation mit dem Wiener Kompetenzzentrum KERP bereits seit einiger Zeit an Verfahren zur Verwertung von Elektroaltgeräten. Recycelt werden dabei vor allem die Kunststoffteile. Nach genauer Selektion werden diese Fragmente zerkleinert, geschmolzen und zur neuen Verwendung in Form gegossen. Noch sind die Verfahren nicht ausgereift genug, um die gewonnenen Produkte für ihren ursprünglichen Zweck einzusetzen. Es gibt aber bereits, wie berichtet, eine ganze Reihe von Produkten, die aus Re- cyclingkunststoff hergestellt werden - unter anderem auch neuartige Dachziegel.

Die Entwicklung von vollautomatischen Erkennungs-und Separationstechnologien in den nächsten fünf Jahren ist eines der großen Ziele des Kompetenzzentrums KERP. Damit sollte sich auch der Einsatzbereich von recycelten Plastikteilen noch um einiges vergrößern. (ansl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 4. 2004)

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