Das Herz hängt am Handy

13. April 2004, 12:02
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In Graz sollen Mobiltelefone den Kontakt zwischen Patienten und Arzt verbessern

Mit Handys, Datenbanken und Internet versuchen Forscher in Graz die Häufigkeit der Wiederaufnahme von Herzpatienten zur Hälfte zu reduzieren. Das Projekt wird von den Austrian Research Centers Seibersdorf am Standort Graz gemeinsam mit der Medizinischen Universität der steirischen Hauptstadt durchgeführt. "Dabei geht es nicht darum, den Kontakt zwischen Arzt und Patient zu ersetzen, sondern ihn zu verbessern", so Günter Schreier, in den ARC Seibersdorf für Biosignalverarbeitung und Telemedizin zuständig.

Ob diese verbesserte Kommunikation auch wirklich zu gesünderen Herzen und damit auch zu niedrigeren Behandlungskosten führt, soll die derzeit laufende Mobitel-Studie nachweisen, an der sieben ausgewählte österreichische Krankenhäuser mit insgesamt 240 Patienten beteiligt sind. Die Patienten bekommen von der Mobilkom Austria Handys bereitgestellt, mit denen sie täglich ihren Blutdruck, ihr Körpergewicht und Informationen über ihr Wohlbefinden per WAP (Wireless Application Protocol) an die Klinik übermitteln. Dort werden die Daten gesammelt und aufbereitet. Meldet ein Patient Werte, die außerhalb eines vom Arzt vorab festgelegten Grenzbereiches liegen, schlägt das System automatisch Alarm.

"Die Software erkennt etwa eine Gewichtszunahme von mehr als zwei Kilogramm in zwei Tagen als Hinweis auf eine gefährliche Verschlechterung bei dem Patienten und schickt eine Benachrichtigung per E-Mail oder SMS an den Arzt", so Schreier. Der kann sich mit wenigen Mausklicks ein Bild über den Krankheitsverlauf der vergangenen Wochen und Monate verschaffen und die Dosierung der Medikamente entsprechend der neuen Situation anpassen.

Blutdruck checken

Auch die Betreuung von Bluthochdruckpatienten ist mit dieser Methode leichter zu bewerkstelligen. "Bisher haben Patienten ihre Werte in ein Tagebuch eingetragen, das dann nach Wochen beim Arzt analysiert wurde", sagt dazu Schreier. "Durch die tägliche Übermittlung der Daten kann viel schneller reagiert werden."

Derzeit müssen die meist betagten Patienten ihre Werte in die für sie oft ungewohnten Mobiltelefone eintippen. Das will Schreier verbessern. "Wir arbeiten daran, Blutdruckmessgeräte mit Mobiltelefon-modulen ausstatten." Dann soll schon ein Knopfdruck genügen, um die Daten zu übertragen. (strau/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 4. 2004)

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