Kommentar: Las Ebreichsdorf

9. April 2004, 17:46
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Fritz Neumann

Im Zusammenhang mit Frank Stronach fällt seit Wochen ein Wort besonders oft, auch weil er es selbst andauernd in den Mund nimmt. Es ist das Wort "Liebe". Gestern hat Stronach seinen, Ebreichsdorfs, Österreichs und Europas jüngsten und dem Vernehmen nach modernsten Pferdesportpark (Racino) eröffnet, er selbst nennt den Park ein "Geschäft der Liebe". Und dieses Geschäft soll für die Besucher bald schon "interessanter sein als Vegas". Ab sofort ziehen Traber und Galopper zweimal wöchentlich in Ebreichsdorf ihre Runden.

Stronach hat, bevor er mit dem Herrn Landeshauptmann ein Band durchschnitt, natürlich eine Pressekonferenz abgehalten. Besonders hartnäckig gab sich eine Dame der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ihr sagte Stronach eher ausweichend, Racino werde im kommenden Jahr schon den Breakeven schaffen, er erwarte "mehr Rendite, als ich auf der Bank kriegen würde". Ebreichsdorf steuert also einer tollen Zukunft entgegen, oder?

Die Wirklichkeit könnte anders aussehen. Stronachs Magna Entertainment, die 17 Rennbahnen sowie TV- und Telefonwettkanäle in Nordamerika betreibt, verzeichnete im Vorjahr einen Verlust (Net Loss) von 105 Millionen Dollar. Die Racino-Finanzierung erfolgte, wie der trend berichtete, zu einem Gutteil aus Erträgen des Automotive-Bereichs. Magna-Spitzenmanager Siegfried Wolf dementierte das zwar aufs Entschiedenste, aber: Solche Nachrichten erfreuen Anleger nicht wirklich. Der Pferderennsport zog in Österreich zuletzt kaum, der ORF wird "Sport am Sonntag" nicht wöchentlich aus Ebreichsdorf senden, unsicher bleibt, ob der Wiener für die Fahrt nach Ebreichsdorf und fürs Wetten noch zu begeistern ist. Auf Las Vegas dürfte, selbst wenn im Herbst auch die Entertainment-Facilities im Racino aufsperren, noch einiges fehlen. Bei aller Liebe. (Fritz Neumann, DERSTANDARD Printausgabe, 5.04.2004)

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