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Rote Handtücher über die Köpfe gelegt und schön inhalieren: der Tanzverein Erdberg von Andrea Bold.
Eine geradezu himmelstürmende Arbeit, in der ungeheure Inhaltslasten im sanften Flug leichtgezaubert werden. Denn auf eine "Liste potenzieller Glückserzeuger" gehört zuvörderst das "Suppeessen", daneben auch "guter, heftiger Sex". Auch hüpfende Organe taugen wohl, denn: "Wenn der Magen sich hebt und dann ins Gedärm einsinkt - herrlich!". Das Gefühl der richtigen Einbettung von Reichhaltigem durchwallt diese köstliche Tanzperformance.
Wohltuend witzig
Ob während des bauchgelagerten "Beweises zur Überflüssigkeit der Ich-Identität" oder einer galoppierenden Nabelschau, dem Tanz zu Heartbeats oder der verantwortungsvollen Aufgabe des Achselbrütens - Bolds Tanzverein Erdberg weiß Rat: Abbau des Schmeichelns, Versuppung des Ichs, Musik machen. Und dann ist es so weit: Bei Blickkontakt mit den Tänzern erhält das Publikum Pirouetten geschenkt.
Schmeichel: Abbau und Fluss III. Zur Anatomie des Ichs ist ein Geschenk gleichermaßen für schwere Herzen und für gewitzte Gemüter. Andrea Bold, die zu jenen Wiener Choreografinnen gehört, die seit Jahren beinahe schon gewohnheitsmäßig unterschätzt werden und die daher nur selten Gelegenheit haben, ihre wohltuend witzigen Werke zu veröffentlichen, ist ein wunderbarer Wurf gelungen.
Der Philosoph und DJ Karl Bruckschwaiger, der Schriftsteller und Musiker David Ender, der Gitarrist und Aquarist Peter Panayi, der Wachauer Pestbläser Michael Bruckner, der Theaterwissenschafter Cezary Tomaszewski und die Waschsalonexpertin Katharina Weinhuber bilden ein Dreamteam auf der Bühne. Kostbare Persönlichkeiten, die in den einzigartigen choreografischen Gespinsten von Andrea Bold einen Tanz aufführen, der unserer Nabelschaukultur eine Abfuhr erteilt. Damit das Ich und das Glück vielleicht doch noch zueinander finden. (DER STANDARD, Printausgabe vom 5.4.2004)
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