Offenbar neues Angebot für "Frankfurter Rundschau"

12. April 2004, 19:20
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"SZ"-Geschäftsführer kündigt Druckauftrag bei "FR"

Im Poker um die Zukunft der "Frankfurter Rundschau" gibt es offenbar wieder Bewegung. Nach am Sonntag veröffentlichten "Focus"-Informationen hat die britische Risikokapital-Gesellschaft 3i ein deutlich verbessertes Angebot präsentiert. Derzeit verhandelt die Verlagsgeschäftsführung mit der SPD-eigenen Medienholding DDVG über deren Einstieg als Gesellschafter. "Rundschau"-Geschäftsführer Günter Kamissek wollte zu dem angeblichen 3i-Angebot mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen nicht Stellung nehmen.

Kapitalzufuhr von rund 30 Millionen Euro

Dabei geht es Medienberichten zufolge um eine Mehrheitsbeteiligung bis 75 Prozent und eine Kapitalzufuhr von rund 30 Millionen Euro. Die DDVG sucht aber eigenen Angaben zufolge einen Partner, der möglichst aus der Verlagsbranche stammen soll. Eine Mehrheitsbeteiligung, die den Grundsätzen der DDVG widersprechen würde, will die Medienholding nur vorübergehend akzeptieren.

Kamissek wies aber die Darstellung des "Focus" zurück, wonach die Kündigung des Druckauftrages der "Süddeutschen Zeitung" den Verlag bedrohe. Das in München erscheinende Blatt hatte bisher einen Teil seiner Auflage in der "Rundschau"-Druckerei in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main herstellen lassen. Kamissek sagte, die "Süddeutsche" habe bisher 30.000 Exemplare drucken lassen. Angesichts von täglich insgesamt 1,2 Millionen Druckexemplaren sei das keine Menge, die ein Rolle spiele. Die Kündigung sei im übrigen bereits im Juli 2003 erfolgt und werde zum 30. Juni wirksam. "Folgeaufträge haben wir schon im Haus", fügte er hinzu.

Gesellschafterwechsel

Laut "Focus" erwägt auch der Axel-Springer-Verlag, den Angaben zufolge der größte Druckkunde des Frankfurter Verlags, seine Aufträge zu kündigen. Dem Magazin zufolge möchte der Berliner Zeitungskonzern einen Gesellschafterwechsel zum schnellen Ausstieg aus den Verträgen nutzen, zumal mit der DDVG ein größerer Mitbewerber am Zeitungsmarkt zum Partner würde. Kamissek sagte, eine Kündigung Springers stehe nicht zur Diskussion. Man habe langfristige Aufträge.

Dem Magazin zufolge sind mittlerweile auch die rechtlichen Voraussetzungen für einen Gesellschafterwechsel erfüllt. Demnach stimmte der zuständige Darmstädter Regierungspräsident Gerold Dieke einer Satzungsänderung für die Karl-Gerold-Stiftung zu. Bisher durfte die Stiftung als Alleineigentümer der Zeitung keine Anteile verkaufen. Künftig sei dies erlaubt, solange ein Rest der Karl-Gerold-Stiftung erhalten bleibe, schreibt das Magazin. (AP)

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