Der Himmel über Ebreichsdorf

9. April 2004, 17:46
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Just als sein neuer Pferdesportpark Racino gestern offiziell eröffnet wurde, stand Frank Stronach in Ebreichsdorf im Regen

Ebreichsdorf - "Gestern Abend", sagte Frank Stronach gestern Nachmittag, "gestern Abend war ich noch hier, da habe ich das beste Froschkonzert gehört. Die Frösche sind glücklich." Und deshalb, so Stronach, kann Racino, sein neuer Pferdesportpark, doch auch für die Umwelt nur einen Gewinn bedeuten. Naturgemäß sehen das die Grünen anders, doch auch ihnen dankte Stronach in seiner Eröffnungsrede. "Weil sie nicht schwieriger als schwierig waren." Hohn? Immerhin sind nach Angaben der Ebreichsdorfer Bürgerinitiative EEB vier Verfahren anhängig.

Nichtsdestotrotz stieg das so genannte "Pre-Opening", 4000 Gäste waren geladen, vielen von ihnen war die Einladung 50 Euro wert gewesen. Auf der Strecke von der Autobahnabfahrt bis zur Rennbahn wurde man an vier Security-Punkten aufgehalten, im Foyer gab's dann Musik (Sax und Hammondorgel) sowie einen Aperitif unter einem wunderbaren künstlichen Sternenhimmel - unzählige kleine Glühbirnen baumelten von einer dunkel verfliesten Decke.

Sehr junge, sehr hoch aufgeschossene Damen in sehr roten Kleidern standen Spalier. Im Wettmagazin Turfsport werden diese Damen als "Glücksfeen" bezeichnet, sie sollen den Besucher darüber aufklären, wie und wo er am besten und schnellsten sein Geld loswerden kann.

Pferde tanzten Ballett, Husaren kreuzten die Klingen, Marschmusik ertönte. Und just, als Stronach, Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll und Ebreichsdorfs Bürgermeister Josef Pilz mit einer Kutsche zur Eröffnung vorfuhren, öffnete der Himmel seine Schleusen. Stronach dankte Pröll und Pilz, Pilz dankte Stronach und Pröll, Pröll dankte Stronach und Pilz. Pfarrer segneten die Bahn, dann wurde ein Band durchgeschnitten, und Racino war offiziell eröffnet.

Um 15:30 Uhr stieg das erste Rennen, im "Opening-GP" waren acht Traber unterwegs, die ersten Sieger hießen Let's Go (Pferd) und Helmut Biendl (Fahrer). Mit Galoppern ging es weiter, am Ende hatten die Traber sechs, die Galopper vier Rennen absolviert. Ganz am Ende zogen Husaren und Friesenreiter mit Fackeln ein, und ein Feuerwerk stieg in den Himmel über Ebreichsdorf. Auch dieser Himmel ein dunkler, nicht verfliest, dafür wolkenverhangen.

Die Dame mit dem tollsten Hut wurde prämiert, in der Jury saßen Edith Leyrer, Topsy Küppers und Milos Welde. Neben Ex-Miss-World Ulla Weigerstorfer führte ORF-Pferdesportexperte Erich Weiß als Racino-Platzsprecher durch das Programm. Der ORF kam mit "Sport am Sonntag" von Ebreichsdorf wiederum in die Wohnzimmer.

Stronach, der 75 Millionen Euro investierte und 500.000 Besucher im Jahr erwartet, will 2005 den Breakeven erreichen. Was die Wetterei betrifft, möchte er "Pferderennen weltweit synchronisieren" und so in absehbarer Zeit via Satelliten-TV, Internet und Handy "500 Millionen Kunden erreichen". Ab Gründonnerstag ist Racino jeden Donnerstag und Sonntag der Allgemeinheit zugänglich, die Allgemeinheit soll fünf Euro Eintritt bezahlen und davon drei Euro verspielen können. (Fritz Neumann, DERSTANDARD Printausgabe, 5.04.2004)

  • Nicht Ascot, Ebreichsdorf.

    Nicht Ascot, Ebreichsdorf.

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