Kimi Räikkönen: "An mir liegt es nicht"

20. April 2004, 11:45
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Die Titelambitionen des Finnen sind nach der andauernd schlechten Performance von McLaren-Mercedes schon nach dem dritten Rennen zerstoben

Sakhir/Manama - Der Titeltraum von Kimi Räikkönen hat sich in Rauch aufgelöst und die Krise der Silberpfeile in der Formel 1 dramatisch verschärft. Mit einer spektakulären Stichflamme am Heck musste der Finne am Sonntag seinen McLaren-Mercedes im Grand Prix von Bahrain schon nach sieben Runden abstellen und wurde in Sakhir endgültig vom Herausforderer zur tragischen Figur. Nach dem dritten Ausfall im dritten Rennen der noch jungen Saison muss Vizeweltmeister Räikkönen seine Hoffnungen aufgeben, in diesem Jahr Formel-1-König Michael Schumacher vom Thron zu stoßen.

Das Aus von David Coulthard machte das Debakel für die Silberpfeile komplett: Auch für den Schotten war das Rennen nach technischen Problemen in der 51. Runde vorzeitig beendet. Fast fluchtartig und ohne die üblichen langen Statements verließen die Teamverantwortlichen den Schauplatz der bitteren Niederlage.

Am meisten leidet Räikkönen unter der Krise bei McLaren-Mercedes. Erst die Pleiten in Australien und Malaysia wegen eines Kühlerschadens und defekter Antriebswelle, nun das Aus in der Wüste. "An mir liegt es nicht. Ich fahre nicht plötzlich langsamer als vergangenes Jahr", sagte der 23-Jährige. "Natürlich ist das nicht schön. Es ist weder für mich noch für irgendjemand anderen im Team schön, aber so ist der Rennsport."

Pannenserie

Der Verlauf des Rennwochenendes in der Wüste passte ins Bild der bisher total verpatzten Saison von Räikkönen und McLaren-Mercedes: Am Freitag musste der Motor im Wagen des Finnen ausgetauscht werden. Dadurch wurde er in der Startaufstellung zehn Ränge nach hinten versetzt und verspielte eine gute Ausgangsposition.

Einen Tag später konnte er wegen einer defekten Zündspule nur wenige Trainingsrunden drehen, verzichtete auf eine Qualifikationszeit und startete von weit hinten in das Rennen. Coulthard musste sich mit einer kaputten Bremsscheibe herumärgern. "Das sieht nicht gut aus", meinte Mercedes-Motorchef Norbert Haug zum aktuellen Erscheinungsbild des Traditionsteams.

Angesichts der katastrophalen Bilanz von vier Punkten und Platz fünf in der Konstrukteurswertung spricht derzeit niemand mehr im vom WM-Titel. "Man muss nur auf die Punktetabelle gucken und sehen, wer einen besseren Job gemacht hat", gibt Haug zu und fordert: "Wir müssen unser technisches Paket besser und zuverlässiger machen. Und am besten nicht in vier Monaten, sondern in vier Wochen. In der Realität wird es irgendwo der Zeitraum dazwischen sein."

Große Hoffnungen

Dabei waren die Hoffnungen vor der Saison groß, Ferrari endlich zu überholen. Im vergangenen Jahr hatte Räikkönen die schwierige Saison der Silberpfeile mit dem zweiten WM-Platz versöhnlich beendet und den Titel nur knapp verpasst. McLaren-Mercedes hatte im Herbst als erstes der Topteams ihr 2004-er Modell, den MP4-19, vorgestellt.

Die technischen und strukturellen Probleme der Silbernen sind nun nicht mehr zu übersehen. "Aber wir arbeiten hart und versuchen, uns zu verbessern", machte Räikkönen sich und den anderen Mut. "Das braucht immer seine Zeit." Doch die Zeit läuft den McLaren-Mercedes davon. (APA/dpa)

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