Jacksons Anwälte wollen Glaubwürdigkeit des Opfers erschüttern

5. April 2004, 12:38
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Und auch der Mutter des 14-Jährigen

Santa Maria - Die Verteidiger des wegen Kindesmissbrauchs angeklagten Popstars Michael Jackson versuchen, die Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers und dessen Mutter in Frage zu stellen. Dafür wollen sie nach US-Medienberichten vom Wochenende in das Jackson-Verfahren Unterlagen aus einem anderen Fall einbringen, bei dem die Mutter von einer Warenhauskette eine finanzielle Entschädigung erstritten hatte.

Richter Rodney Melville gab am Freitag dem Antrag der Verteidiger auf Aushändigung schulischer Berichte und eines psychiatrischen Gutachtens über den Burschen statt, den der Popstar missbraucht haben soll. Diese Dokumente hatten vor vier Jahren in einem Rechtsstreit eine Rolle gespielt, bei dem die Mutter nach einem angeblichen Ladendiebstahl ihres Sohnes erklärte, sie sei von Sicherheitskräften des Warenhauses geschlagen und sexuell belästigt worden.

Schweigegebot lockern

Der heute 14-Jährige wurde damals nicht angeklagt, während der Streit um die Belästigung der Mutter von dem Warenhaus gegen eine Geldsumme beigelegt wurde, angeblich rund 150.000 Dollar (124.000 Euro). Sollte Jackson tatsächlich des mehrfachen sexuellen Missbrauchs des Burschen schuldig gesprochen werden, könnte die Familie danach auf Entschädigung in Millionenhöhe klagen.

Richter Melville entschied außerdem, ein Schweigegebot für die Anwälte zu lockern. Sie durften sich bisher nicht öffentlich über das Jackson-Verfahren äußern. Der Richter will nun im Einzelfall entscheiden, ob Jacksons Anwälte schriftlich Stellung nehmen dürfen.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit soll ein Geschworenengremium in den nächsten Tagen weiter die Beweislage gegen Jackson prüfen. Diese "Grand Jury" muss entscheiden, ob ein Prozess gegen ihn gerechtfertigt ist. Der Betroffene hatte bereits am vergangenen Dienstag unter strengster Geheimhaltung ausgesagt. Die Anwälte des Sängers haben beantragt, der Grand Jury Material vorzulegen, das Jackson nach ihrer Darstellung entlastet.

Dem Popstar wird vorgeworfen, im Frühjahr 2003 den damals 13- Jährigen sieben Mal sexuell missbraucht und ihn dafür in zwei Fällen unter Alkohol gesetzt zu haben. Im Jänner hatte er vor Gericht auf "nicht schuldig" plädiert. Er ist gegen eine Kaution in Höhe von drei Millionen Dollar (2,45 Millionen Euro) auf freiem Fuß. (APA/dpa)

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