Zwei EU-Kandidaten für IWF-Chefposten

4. April 2004, 19:04
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Jean Lemierre (F) und Rodrigo Rato (E) als Nachfolger für Horst Köhler

Punchestown - Die EU will für die Nachfolge des scheidenden Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, den Franzosen und Chef der Osteuropabank EBRD Jean Lemierre oder den spanischen Wirtschaftsminister Rodrigo Rato nominieren. Die EU werde in den nächsten 14 Tagen weltweit Konsultationen führen, um sich auf einen Kandidaten zu einigen, teilte der deutsche Finanzminister Hans Eichel nach den Beratungen der Finanzminister am Samstag im irischen Punchestown mit.

Berlin bekräftigt Unterstützung für Lemierre

Eichel bekräftigte seine Unterstützung für den Franzosen Lemierre. Der aktuelle Chef der EBRD sei "ein sehr guter Kandidat", erklärte der deutsche Finanzminister vor der Presse. Die endgültige Entscheidung über den EU-Kandidaten soll am 18./19. April bei der Jahrestagung der Osteuropabank EBRD in London fallen, an der auch die EU-Finanzminister teilnehmen.

Rato hat nach Angaben von EU-Diplomaten die Unterstützung der lateinamerikanischen Staaten für die IWF-Kandidatur. Spekulationen über einen italienischen IWF-Kandidaten haben sich somit nicht bestätigt. Der italienische Europaminister Roberto Buttiglione hatte zuvor seinen Landsmann, EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti, ins Spiel gebracht.

Grasser: "Keine Präferenz"

Die EU geht davon aus, dass sie das Recht hat, den Chefposten beim IWF mit einem Europäer zu besetzten. Denn bisher galt die informelle Abmachung, dass der Posten des IWF-Direktors durch einen Europäer besetzt wird, während die Amerikaner den Chef der Weltbank stellen. Köhler kandidiert für das Amt des deutschen Bundespräsidenten.

Laut deutschen Zeitungsberichten will Paris im Gegenzug für die Unterstützung Lemierres durch Berlin einen deutschen Kandidaten für den vorgeschlagenen Posten eines für Wirtschaftsfragen zuständigen Vizepräsidenten der EU-Kommission unterstützen.

Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte sich am Freitag nicht zu seinen Präferenzen geäußert, aber Kritik an der informellen Absprache Deutschlands und Frankreichs geübt. "Es hat überhaupt nichts mit Transparenz zu tun, wenn zwei große Staaten sich hinter dem Vorhang einen Kandidaten ausmachen", sagte er. "Einzig entscheidend für mich ist die Qualifikation des Kandidaten. Natürlich muss es Europas Interesse sein, dass wir einen europäischen Kandidaten durchsetzen", fügte er hinzu.

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