Israel weist US-Kritik an Drohungen gegenüber Arafat zurück

4. April 2004, 21:04
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Sicherheitsminister: USA sind die letzten, die uns Predigten zur Selbstverteidigung halten sollen

Gaza-Stadt - Israel hat am Samstag mit deutlichen Worten die Kritik der USA an seinen Drohungen gegen Palästinenser-Präsident Yasser Arafat zurückgewiesen. "Ich glaube, sie (die USA) sind die letzten, die uns Predigten darüber halten sollten, wie wir von unserem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen", sagte Sicherheitsminister Tsahi Hanegbi in einem Interview Radio Israel. Die USA hatten am Vortag ein Attentat auf Arafat rundweg abgelehnt. "Unsere Position zu diesen Fragen - Exil oder ein Attentat auf Yasser Arafat - ist sehr wohl bekannt. Wir sind dagegen und haben das der israelischen Regierung sehr deutlich gemacht", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hatte in Interviews unter Hinweis auf Arafat und Scheich Hassan Nasrallah, dem Anführer der radikal-islamischen Hisbollah im Süd-Libanon, gesagt: "Ich würde nicht behaupten, dass sich einer von ihnen sicher fühlen sollte. Ich würde nicht vorschlagen, dass irgendeine Versicherung ihnen eine Polizze ausstellt." Vor knapp zwei Wochen hatte die israelische Armee im Gaza-Streifen den Gründer der radikal-moslemischen Hamas, Scheich Ahmed Yassin, mit einem Raketenangriff getötet.

Die israelische Regierung macht Arafat für die Gewalt radikaler Palästinenser-Gruppen verantwortlich, die bei Anschlägen Dutzende Israelis getötet haben. Hanegbi gehört wie Sharon dem Likud an, der mit mehreren Parteien eine rechtsgerichtete Koalition gebildet hat.

Vertreter der wichtigsten Palästinensergruppen wollen unterdessen über Zusammenarbeit und ihre Reaktion auf einen israelischen Abzug aus dem Gazastreifen sprechen. Ein Treffen dazu sei am Samstagabend in Gaza-Stadt geplant, erklärten Teilnehmer. An der Zusammenkunft sollen auch Repräsentanten der Palästinensischen Autonomiebehörde, des Islamischen Dschihad und der radikal-islamischen Hamas-Organisation teilnehmen.

Am Freitag hatten Hamas-Führer auf einer Kundgebung angekündigt, ihre Organisation strebe zusammen mit anderen palästinensischen Gruppierungen eine Teilhabe an der Macht zur Verwaltung des Gazastreifens an. Die Hamas-Organisation hatte dazu ein eigenes Konzept angekündigt, noch bevor israelische Soldaten den Hamas-Gründer Scheich Yassin töteten. Der israelische Ministerpräsident Sharon lässt eine Räumung jüdischer Siedlungen und israelischer Armeeposten planen. (APA/dpa/Reuters)

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