Ärztekammer: Keine Seuchengefahr in Traiskirchen

11. April 2004, 16:47
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Aber Arbeitsbedingungen für Mediziner "verbesserungswürdig" - ÖVP verteidigt medizinische Versorgung

Wien - Die niederösterreichische Ärztekammer betonte Samstag Mittag, angesichts der Situation im Flüchtlingslager Traiskirchen nicht von Seuchengefahr gesprochen zu haben und dementierte damit einen entsprechenden Bericht des Magazins "profil". Auch das Wort "skandalös" habe man nicht in den Mund genommen, erklärte Pressesprecher Axel Moser gegenüber der APA.

"Verbesserungswürdige" Arbeitsbedingungen

Worum es der Ärztekammer gehe: die Arbeitsbedingungen für Mediziner im Lager seien "verbesserungswürdig". Wenn Flüchtlinge zu zwanzigst in einem Raum untergebracht seien, das Licht schlecht sei, es darüber hinaus auch noch Sprachprobleme gebe - dann sei es schwer, seriöse Diagnosen zu stellen. Und darüber wolle man mit dem Innenministerium sprechen.

Klar sei aber: wenn auf 100 Quadratmetern 45 oder 50 Menschen untergebracht seien und einer die Grippe bekomme, stecke er alle an. Es könne aber keine Rede davon sein, "dass irgendwelche Seuchen nach außen getragen werden", so Moser.

ÖVP verteidigt medizinische Versorgung

ÖVP-Menschenrechtssprecher Matthias Ellmauer verteidigte am Samstag die medizinische Versorgung: "Jeder Asylwerber in Bundesbetreuung ist krankenversichert", so Ellmauer in einer Aussendung. Und: Für jeden "Neuankömmling" würde eine Zweifachimpfung, bestehend aus einer Impfung gegen Röteln, Masern und Mumps und einer weiteren gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus, angeboten.

Das Nachrichtenmagazin "profil" hatte berichtet, die Ärztekammer habe dem Innenminister in einem Brief mitgeteilt, die ihrer Ansicht nach skandalösen Missstände nicht mehr hinnehmen zu wollen. Die Unterbringung der Insassen in Großschlafsälen sei "katastrophal" und berge sogar Seuchengefahr, weil auftretende Infektionskrankheiten unter den gegebenen Umständen kaum zu beherrschen seien. (APA)

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