Sun und Microsoft begraben das Kriegsbeil

3. April 2004, 10:40
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Jahrelange Fehde wird mit Milliardenvergleich beendet - breite Zusammenarbeit angekündigt

Die US-Computerkonzerne Microsoft und Sun Microsystems wollen mit einem Milliardenvergleich ihre jahrelange Fehde beenden. Sun erhält von Microsoft 700 Mio. Dollar (568 Mio. Euro) zur Beilegung aller kartellrechtlichen Streitigkeiten und 900 Mio. Dollar für die Beilegung von Patentbeschwerden, teilten die Unternehmen mit.

Zahlung

Die beiden Konzerne haben sich auch auf die gegenseitige Zahlung von Lizenzgebühren für die Verwendung jeweiliger Technologien geeinigt. Microsoft macht hierfür eine Vorauszahlung von 350 Mio. Dollar. Sun will Lizenzgebühren zahlen, wenn Microsoft- Technologien in seine Server-Produkte integriert werden.

"Breite Zusammenarbeit"

Die US-Computerkonzerne haben nach Beilegung ihres Rechtsstreits nun eine "breite Zusammenarbeit" vereinbart. "Dieses Abkommen startet eine neue Beziehung zwischen Sun und Microsoft", sagte der Vorstandschef von Sun, Scott McNealy, in San Jose. Er verspricht sich von der Vereinbarung mit Microsoft neue Produkte. Microsoft-Chef Steve Ballmer kündigte einen weiteren harten Wettbewerb an. Auch er sieht aber im Abkommen "eine neue Basis zur Zusammenarbeit".

Java

In dem jahrelangen erbitterten Streit ging es unter anderem um die von Sun entwickelte Programmiersprache Java. Mit der nunmehrigen Einigung sieht Sun auch seine Ziele als erreicht an, die man mit den in der EU gegen Microsoft anhängigen Aktionen verfolgt habe. Microsoft war kürzlich von den Brüsseler Wettbewerbshütern zu einer Rekordstrafe von 497 Mio. Euro und harten Auflagen wegen kartellrechtlicher Verstöße verdonnert worden. Microsoft will bei dem zuständigen Gericht in Luxemburg Berufung einlegen.

Sun mit SchwierigkeitenB

Sun war einer der Hauptbeschwerdeführer in Brüssel gewesen. Der Microsoft-Konkurrent steckt seit einiger Zeit in finanziellen Schwierigkeiten. Das vor allem für seine Server und für die Programmiertechnik Java bekannte Unternehmen kündigte an, 3.300 Stellen abzubauen. Das sind etwa neun Prozent aller Arbeitsplätze bei Sun. Zugleich stellte Sun in Aussicht, dass der Verlust in dem Ende März abgeschlossenen Quartal mit 750 bis 810 Mio. Dollar (609 bis 657 Mio. Euro) größer ausfallen werde als erwartet.

Das hat nun auch Auswirkungen an der Konzernspitze. Software-Chef Jonathan Schartz (38) soll neuer Sun-Präsident werden. Er soll damit für die Tagesgeschäfte verantwortlich zeichnen. McNealy bleibt Konzernchef und Verwaltungsratsvorsitzender.(Apa)

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    Sun und Microsoft begraben nach jahrelanger Fehde das Kriegsbeil.

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