Kopf des Tages: Ulla Weigerstorfer, Stronachs PR-Chefin der Rennbahn in Ebreichsdorf

6. April 2004, 09:48
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Die Ausseer Miss mit dem Pferdevirus kam nach einigen Tohuwabohus direkt zu ihrem Beruf

Ein bisserl, gibt Ulla Weigerstorfer zu, sei sie schon zwischen zwei Stühlen gesessen. Anfangs zumindest. Aber dann, erklärt sie, habe sie sich das Gelände "genau an- geschaut". Und habe eine Entscheidung getroffen: "Pferde sind mehr Natur als Ackerbau." Andernfalls hätte sie ihren jetzigen Job nicht annehmen können - schließlich ist die Ex-Miss-World PR-Chefin von Frank Stronachs "Racino" in Ebreichsdorf.

Sie zu beschreiben, ohne Pferde zu erwähnen, wäre ein spannender Versuch, meint Weigerstorfer - dass er gelingen könnte, bezweifelt sie aber stark: "Der Virus wurde mir bereits in die Wiege gelegt." Damals, in Bad Aussee.

Imageverbesserung

Das Haus, aus dem die heute 37-Jährige stammt, erinnern sich Bekannte, war gut bestallt und alteingesessen: der Vater Spross einer Hoteliersfamilie, die Mutter aus gutem Haus, zwei Geschwister (ein Bruder, eine Schwester). Alles ganz solide, alles ganz normal - bis Weigerstorfer mit 17, als Schülerin in Wien, zu modeln begann und kurzfristig ("Ich habe keine langfristige Lebensplanung, bei mir hat sich alles immer sehr kurzfristig entschieden") bei einer Misswahl für eine erkrankte Kollegin einsprang. "Damals hat man gerade versucht, das Image, das der Erich Reindl Misswahlen verpasst hat, zu verbessern."

Weigerstorfer kam ins Finale - und kehrte 1987 als "Miss World" aus London zurück. "Ich habe gelernt, mit diesem Image umzugehen", erklärt sie heute. Und das sei nicht immer leicht gewesen.

Sprungschanze

Natürlich: Bekannt zu sein habe auch geholfen. "Das war sicherlich eine Sprungschanze - aber landen und bestehen muss man immer selbst." Und wissen, was man will: Das, was Weggefährten als "oft unfassbar dickköpfig" beschreiben, sieht Weigerstorfer als "willensstark. Ich habe eigentlich immer erreicht, was ich wollte - und wenn es nicht geklappt hat, habe ich es mir meist nicht stark genug gewünscht."

Tohuwabohu

Mit dieser Einstellung und der Bekanntheit einer Miss World war der Weg relativ klar: Neben Auftritten in diversen "lustigen" ORF-Produktionen (u. a. Tohuwabohu) war Weigerstorfer als Schauspielerin und Moderatorin aktiv. Sie wurde Teilhaberin der Fastfoodkette Wiener Schnitzelplatzl, organisierte Veranstaltungen (etwa die Springreit-Staatsmeisterschaften 2002) und verdingte sich in der Sportredaktion des ORF. Nebenbei fuhr sie ("Für einen Jockey bin ich ja viel zu groß") im Sulky-Rennen, trat - und tritt ("Obwohl das derzeit zu kurz kommt") - mit ihrem Pferd Lalina bei Dressurwettbewerben an.

Und war natürlich häufige Besucherin von Pferderennen. Ebendort kam sie eines Tages auch mit Frank Stronach ins Gespräch. Bingo: "Ich habe es erfolgreich geschafft, Beruf und Virus unter einen Hut zu bringen." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 3.4.2004)

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