UNO-Tribunal: Neue Anklage gegen bosnisch-kroatischen Offizier

4. April 2004, 09:53
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Wegen Menschenrechtsverbrechen gegen Moslems - Ranghoher Offizier Pusic will sich freiwillig stellen

Zagreb - Wegen Menschenrechtsverbrechen während des Bosnien-Krieges hat das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Anklage gegen einen weiteren ranghohen bosnisch-kroatischen Offizier erhoben. Die Klageakte von Berislav Pusic befinde sich in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo, sagte die kroatische Justizministerin Vesna Skare-Ozbolt am Freitag im kroatischen Rundfunk. Pusic erklärte, er wolle sich dem Haager Tribunal stellen, sobald er die Anklage entgegen genommen habe.

"Ich bin in Zagreb und stehe zur Verfügung", sagte er der kroatischen Nachrichtenagentur Hina zufolge. Zugleich beteuerte er seine Unschuld. Pusic leitete während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 eine bosnisch-kroatische Kommission zum Austausch von Gefangenen.

Sechste Anklage gegen bosnischen Kroaten in dieser Woche

Er ist bereits der sechste bosnische Kroate, der in dieser Woche in Den Haag wegen Menschenrechtsverbrechen gegen Moslems angeklagt wurde. Das UNO-Tribunal hat die Vorwürfe gegen Pusic und die fünf anderen Angeklagten noch nicht veröffentlicht. Medienberichten zufolge sollen sie an Vertreibungen von Moslems aus der überwiegend von Kroaten bewohnten Region Bosniens beteiligt gewesen sein. Alle sechs Angeklagten wollen sich dem Haager Tribunal stellen.

Die während des Bosnien-Krieges gegen die Serben verbündeten Bosnier und Kroaten haben sich im Verlauf des Waffengangs von 1993 bis 1994 elf Monate gegenseitig bekämpft. Die damalige nationalistische kroatische Führung hatte die bosnischen Kroaten in ihrem Kampf für eine Anbindung an die überwiegend von Kroaten bewohnten Gebiete Bosniens an Kroatien unterstützt. Die bosnischen Kroaten riefen während des Krieges einseitig die so genannte Republik Herceg-Bosna aus, die international nicht anerkannt war. (APA)

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