Robert Schindel

2. April 2004, 23:10
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Geboren am 4. April 1944 in Bad Hall. Seine Eltern, österreichische Kommunisten jüdischer Herkunft, werden nach der Aufdeckung einer Widerstandsmission nach Auschwitz deportiert. Während der Vater im März 1945 in Dachau ermordet wird, überlebt die Mutter Auschwitz und Ravensbrück. 1945 kehrt sie nach Wien zurück, wo sie ihren vor den Nationalsozialisten versteckten Sohn wiederfindet. Dieser wächst im Umfeld der KPÖ und deren Jugendverbände auf, von denen er sich 1967 lossagt. Als (Jura- und Philosophie-)Student ist er bis Juni 1968 Wortführer der "Kommune Wien", dem radikalsten Teil der Wiener Studentenbewegung. Danach führt es ihn in "maoistische" Kreise, die er 1978 verlässt.

Nach kleineren Publikationen zu Beginn der Sechzigerjahre, u.a. im Wiener "Tagebuch", sendet der ORF 1968 ein Hörspiel von Schindel, der 1969 mit Christof Subik die "Gruppe Hundsblume" gründet, in deren Verlag Lyrik und Kurzprosa Schindels sowie 1970 der Roman Kassandra erscheinen. Seinen Lebensunterhalt (Abbruch des Studiums 1974) sichert sich Schindel in dieser Zeit durch zahlreiche Gelegenheitsjobs. Seit 1986 lebt er als freier, mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichneter Schriftsteller in Wien (neuerdings auch als Filmemacher). Zu Beginn der 1980er-Jahre trat Schindel der Israelitischen Kultusgemeinde bei. Internationales Aufsehen erregt 1992 sein später auch verfilmter und in mehrere Sprachen übersetzter Roman Gebürtig.

Schindels breites lyrisches Werk ist in einem gerade erschienenen, mit einem Nachwort von Marcel Reich-Ranicki versehenen Sammelband dokumentiert; soeben neu aufgelegt wurde auch sein erster Roman. (DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 3./4.4.2004)

Robert Schindel, Fremd bei mir selbst. Die Gedichte.
Mit einem Nachwort von Marcel Reich-Ranicki.
€ 24,90/420 Seiten. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2004.


Robert Schindel, Kassandra. Mit einem Vorwort von Robert Menasse. € 15,90/128 Seiten. Haymon, Innsbruck 2004.

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