Freisprüche im Senna-Prozess annulliert

20. April 2004, 11:45
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Fall wird neu aufgerollt - Frank Williams, Patrick Head sowie der damalige Chefdesigner Adrian Newey erneut vor Gericht

Rom - Der oberste italienische Gerichtshof hat laut einer Meldung der Nachrichtenagentur ANSA mit einem Entscheid den Weg zur Neuaufrollung des Verfahrens um die Todesursache des dreifachen brasilianischen Formel-1-Weltmeisters Ayrton Senna geebnet. Damit werden sich Williams-Boss Frank Williams, der Technische Direktor Patrick Head sowie der damalige Chefdesigner Adrian Newey wohl erneut vor Gericht verantworten müssen.

Die drei genannten Personen waren 1997 und 1999 vom Appellationsgericht in Bologna zwei Mal vom Vorwurf der "fahrlässigen Tötung" freigesprochen worden. Der oberste Gerichtshof nannte gravierende Verfahrensmängel als Grund für seine Entscheidung und ordnete eine erneute Klärung der zentralen Frage des Prozesses an: Haben die von den Williams-Verantwortlichen ausgeführten Veränderungen an der Lenksäule den tödlichen Unfall am 1. Mai 1994 verursacht oder nicht?

Freispruch aus Mangel an Beweisen

Das Gericht in Bologna war 1999 in dieser Frage zu keinem eindeutigen Urteil gekommen und sprach die Angeklagten deshalb aus Mangel an Beweisen frei. Zu Unrecht fand Staatsanwalt Rinaldo Rosini, der in die Berufung ging. Schon Anfang vorigen Jahres hatte das Gericht das Urteil von Bologna aufgehoben. Erst mit ihrer Urteilsbegründung gaben die Richter nun endgültig grünes Licht für die Neuaufnahme des Senna-Prozesses. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.

Der brasilianische Formel-1-Star war am 1. Mai 1994 während des GP von San Marino geradeaus in eine Mauer geprallt. Dabei wurde Senna durch ein Metallteil, das seinen Helm durchschlug, getötet. Bisherige Untersuchungen konnten die Ursache für den Unfall nicht eindeutig klären.

Rosini behauptete, dass die vom Williams-Rennstall vorgenommenen Veränderungen an der Lenksäule des FW-16-Rennwagens zum Bruch der Stange geführt hätten. Damit sei das Auto für Senna nicht mehr steuerbar und der Aufprall unvermeidbar gewesen. Die Verteidiger dagegen argumentierten, dass die Lenksäule erst beim Aufprall gebrochen und damit nicht Auslöser für den Unfall gewesen sei. Eine kurzzeitige Ohnmacht oder ein gewöhnlicher Fahrfehler wurden als mögliche Ursachen für den Unfall angegeben. (APA/SIZ/red)

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    Das Wrack des Williams-Rennwagens, in dem der brasilianische Formel 1-Weltmeister Ayrton Senna am 1. Mai 1994 beim Großen Preis von San Marino in Imola ums Leben kam.

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