Das Duell der alten Herren

20. April 2004, 20:52
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"Kronen Zeitung" gegen WAZ-Konzern: Montag beginnt das Schiedsverfahren um Österreichs allergrößtes Kleinformat

Montag beginnt das Schiedsverfahren um Österreichs allergrößtes gefüllt Kleinformat. Bringen kann es höchstens einen Etappensieg im Machtkampf um die "Krone".

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Drei Herren treffen einander Montagnachmittag in der Wiener Innenstadt. Nehmen Platz an einem überdimensionierten ovalen Tisch in einem eher biederen Seminarraum. Und bereiten ihre Entscheidung vor, wer bei der größten österreichischen Tageszeitung künftig das Sagen hat. Das monatelange Schiedsverfahren zwischen den zerstrittenen "Krone"-Eignern Hans Dichand und WAZ beginnt.

Die Fragen: Kann Hälfteeigentümer Hans Dichand, inzwischen 83, Hauptgeschäftsführer mit weit größeren Kompetenzen bleiben, als sie einem Hälfteeigentümer zustehen? Darf sein Sohn Christoph weiter Chefredakteur spielen bei einem Kleinformat, das fast die Hälfte der Österreicher täglich zur Hand nimmt? Ein kleines Format mit stattlichen Gewinnen: Zuletzt wurden immerhin 28 Mio. Euro kolportiert, vor drei Jahren sollen es noch 65 gewesen sein.

Dichand nicht mehr tragbar

Mehr als halbierte Profite sind einer der Anlässe, die den Zürcher Rechtsanwalt Bernhard Felix Meyer-Hauser mit dem Wiener Berufskollegen Christian Hausmaninger und dem Linzer Professor für Handelsrecht, Martin Karollus, in der Wiener City zusammenbringen. Die WAZ sagt, Dichand ist als Hauptgeschäftsführer nicht mehr tragbar.

Spätestens seit Dichand im Jänner 2003 Sohn Christoph gegen den Willen der WAZ zu seinem Nachfolger in der Chefredaktion machte, kämpfen die Partner offen um die Macht in der Krone.

"In Wahrheit geht es um zwei alte Herren, die beide Recht haben wollen", sagt ein Insider - Dichand und WAZ-Chef Erich Schumann (73). "Keiner der beiden will gegenüber dem anderen sein Gesicht verlieren", meint ein Freund Dichands: "Sie wollen's wirklich wissen."

Dragon schlägt zurück

Noch ein alter Herr weilt weitab von allen Schiedsgerichten in Bad Hofgastein, treibt Sport, und will von dem Kampf nichts wissen. 37 Jahre war er als "Staberl" Hans Dichands Mann fürs Grobe. Er ist froh, dass sie vor drei Jahren, wenn auch nicht ganz harmonisch, endeten: "Froh, dass ich weggegangen bin vor dem Fall Dragon" zeigt sich der Pensionär. Seit dem Start 1959 arbeitete Friedrich "Bibi" Dragon als Chefredakteur der Krone im Hintergrund, bis ihn Dichand "hinausgeworfen hat".

"Bedingungslos loyal" war Dragon "zum Unternehmen und zum Herausgeber", erinnert sich Nimmerrichter: Dass Dichand ihn 2001 "so behandelte, hat er nicht verdient".

Nun schlägt Dragon zurück als Prokurist der WAZ-Beteiligungsgesellschaft an der Krone. Die tiefe Kluft zwischen ihm und Dichand hat sich inzwischen übertragen auf WAZ-Chef Schumann. Dem Blatt ist Dragon weiter loyal.

"Die Zeitung wird immer schlechter"

Der Zeitung hat der Clinch nicht unbedingt gut getan, der Kurs wird unklarer, meinen Beobachter: "Die Zeitung wird immer schlechter. Die politische Ausrichtung ist sprunghaft, die Zeitung selbst wirkt unruhig", sagt einer aus dem Mediaprintkonzern. Dessen Gremien beginne der Streit zu lähmen, Entscheidungen würden auf die lange Bank geschoben. Nur beim U- Express, einem "Lieblingsprojekt" Dichands, kam das Aus diese Woche sehr schnell.

Die Deutschen und ihre Anwälte beobachten jeden Schritt Dichands in der "Krone"-Redaktion mit Argusaugen, berichtet ein Insider: Alles wird auf Punkt und Beistrich abgeklopft, ob es den Verträgen und der dort fixierten Arbeitsaufteilung entspricht.

"Auf Wiedersehen"

Manchmal schauen sie gar noch genauer: Gerhard Haderers Gruppensexcartoon zum Frühlingsbeginn in der "Krone" bunt mochte den Essenern nicht zum Abschied von Kardinal Franz König (Headline: "Auf Wiedersehen") passen. Dichand weigerte sich dem Vernehmen nach, den Cartoon zu entfernen.

Dichands Sohn Christoph gilt nicht als entschlossener Blattmacher. Mit Langzeitsportchef Michael Kuhn macht er den Chefredakteur, solange die drei Schiedsrichter nicht das Gegenteil entscheiden.

Hans Mahr weiß, wie das Kleinformat funktioniert. Bevor er als Infodirektor zu RTL wechselte, führte er die Geschäfte der "Krone", zuvor ihre Innenpolitik: "Die Krone ist so stark, dass sie selbst die heftigsten Auseinandersetzungen übersteht und noch Reichweite zulegt. Sie ist stärker als die, denen die Krone gehört." Die Media-Analyse bildet Hochs und Tiefs von Blättern freilich immer mit Zeitverzögerung ab.

"Was kommt nach Dichand"?

Mahr wird immer wieder als potenzieller Krone-Macher gehandelt. Wie News-Gründer Wolfgang Fellner. Der bastelt vorerst an einer eigenen Tageszeitung, die von einer Schwäche der "Krone" profitieren könnte. Wenn man ihn nicht doch mit der Führung einer der - gemessen an der Bevölkerung - größten Zeitungen der Welt davon abbringt.

Auch das Schiedsgericht "lässt eine Grundfrage unbeantwortet", betont einer der internen Beobachter: "Was kommt nach Dichand?"

Daniel Charim listet als Anwalt der WAZ eine lange Reihe von "Pflichtverletzungen" auf, die sie Hans Dichand und seinem Sohn Christoph vorwirft. Er fühlte sich zum Beispiel nicht an die Vereinbarung mit den Essenern gebunden, die Personalhoheit abzugeben, zitierte die APA aus den Papieren. Gegen den Willen der WAZ habe er einen Vertrauten zum Krone-Geschäftsführer bestellt, der vor allem "für Dichand selbst" tätig sei.

"Nur in Handschellen"

Schließen sich die Schiedsrichter den Vorwürfen an und berufen Dichand senior als Hauptgeschäftsführer ab, ist das nicht mehr als ein Etappensieg für die WAZ. Dieser kostete den 83-Jährigen 713.000 Euro monatlichen "Vorabgewinn" und weit reichende Kompetenzen.

"Nur in Handschellen" bringe man Dichand aus dem Pressehaus, sagt einer, der ihn gut kennt. Er selbst hat angekündigt, sich dem Schiedsspruch zu fügen. Aber mehr als eine echte Pattsituation zweier Gesellschafter mit je 50 Prozent ist vorerst nicht zu holen. Verkauf lehnten beide Seiten bisher entschieden ab.

Schiedsverfahren enden oft mit einem Vergleich, sagt ein erfahrener Schiedsrichter. "Krone"-Insider hoffen auf Einigung und setzen auf die nächste Generation, also Christoph Dichand und WAZ-Manager Bodo Hombach.

Montag sind am ovalen Tisch Zeugen am Wort. (Renate Graber, Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 3./4.4.2004)

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    Erich Schumann und Hans Dichand

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