Europäer streiten über Köhler-Nachfolge beim IWF

3. April 2004, 18:14
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Keine rasche Einigung erwartet

Punchestown/Dublin - Die Nachfolge des zurückgetretenen Geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF) Horst Köhler bleibt unter den Europäern umstritten. Irland als derzeitige EU-Ratspräsidentschaft erwarte während des bis zum Samstag dauernden informellen EU-Finanzministertreffens keine Einigung über einen europäischen Kandidaten, hieß es am Freitag in Punchestown bei Dublin. Köhler kandidiert in Deutschland für das Amt des Bundespräsidenten.

"Wir müssen erst einmal Klarheit gewinnen, welche Anwärter im Rennen sind", sagte ein Diplomat. Bisher gebe es nur einen erklärten Kandidaten, den spanischen Wirtschaftsminister Rodrigo Rato. Der Minister gehört der konservativen Regierung von Jose Maria Aznar an, der am 14. März die Parlamentswahlen verloren hatte. Rato hat die Unterstützung 19 lateinamerikanischer Länder im IWF und der neuen Linksregierung in Madrid.

Spekulation

Alle anderen Namen seien bisher Spekulation, hieß es aus den Kreisen der Präsidentschaft. Im Gespräch sind unter anderem der Franzose Jean Lemierre, derzeitiger Chef der Osteuropabank, und der italienische EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. Berlin würde nach inoffiziellen Angaben eine französische Kandidatur unterstützen. Der neue französische Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy wird in Irland erwartet. An dem Treffen der Finanzminister wollten ebenfalls der Kommissionspräsident Romano Prodi und der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, teilnehmen.

Den Direktorenposten beim IWF beanspruchen traditionell die Europäer, während die USA die Führung der Schwester- Finanzorganisation Weltbank innehaben. Der britische Schatzkanzler (Finanzminister) Gordon Brown leitet derzeit das beratende Gremium des IWF, den Internationalen Währungs- und Finanzausschuss, bei dem üblicherweise Kandidaten angemeldet werden. Innerhalb des IWF gibt es inzwischen vor allem aus Schwellen- und Entwicklungsländern die Forderung nach einem offenen und transparenten Auswahlprozess.

Das Treffen in Irland begann mit einer Zusammenkunft der zwölf Ressortchefs der Länder mit der Euro-Währung. Weiteres Thema war die Konjunktur, die nicht so anspringt wie zunächst erhofft. Das Treffen wird am Samstag im Kreis der Finanzminister aller EU-Staaten fortgesetzt werden. Sie wollen unter anderem über die umstrittene Finanzplanung der EU von 2007 an sprechen. Deutschland und fünf andere Nettozahler in Brüssel fordern eine strikte Ausgabenbegrenzung und lehnen deshalb den bisherigen Vorschlag der Prodi-Kommission ab.(APA/dpa)

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