Der Völkermord 1994 in Ruanda

5. April 2004, 13:29
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Fast eine Million Todesopfer in drei Monaten

Hamburg - In den Trümmern des Flugzeuges, das am 6. April 1994 beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen wurde, starben Ruandas Hutu-Präsident Juvenal Habyarimana und Burundis Staatsoberhaupt Cyprien Ntaryamira. Das bisher nicht aufgeklärte Attentat gilt als Auslöser für den drei Monate dauernden Völkermord in dem ostafrikanischen Land, dem schätzungsweise an die eine Million Menschen zum Opfer fielen. Seit dem Ende des Bürgerkriegs befasst sich ein von den Vereinten Nationen (UN) eingerichteter Strafgerichtshof mit dem Verbrechen. Bis spätestens 2008 sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein.

Schon im Laufe der Geschichte Ruandas hatte es Spannungen zwischen der Volksgruppe der Hutu und der Minderheit der Tutsi gegeben, die 1994 in Völkermord und Massenflucht der Tutsi und moderater Hutu eskalierten. In nur 100 Tagen wurden Männer, Frauen und Kinder durch Hutu-Milizen, Armee und Präsidentengarde bestialisch ermordet. Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandesischen Bevölkerung ausmachten.

In Folge des Bürgerkrieges flohen weit mehr als zwei Millionen Ruandesen, mehrheitlich Hutus, nach Burundi, Tansania, Uganda und Kongo, dem damaligen Zaire. Die UN zog einen Großteil ihrer in Ruanda stationierten Truppen kurz nach dem Ausbruch des Konflikts ab. Zuvor waren zehn belgische Blauhelm-Soldaten in Kigali ermordet worden. Frankreich entsandte im Juni Truppen nach Ruanda, die im Südwesten eine Schutzzone schufen.

Im Juli nahmen die von der Tutsi-Minderheit dominierten Rebellen der Patriotischen Front Ruandas (RPF) die Hauptstadt Kigali ein und setzten eine neue Regierung ein. Der Hutu Pasteur Bizimungu wurde Staatspräsident, Rebellenführer Paul Kagame Vizepräsident. Kagame, heute Präsident, wird von einem französischen Untersuchungsrichter verdächtigt, den Abschuss des Flugzeuges in Auftrag gegeben zu haben. (APA/dpa)

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