Polen: Aufgetauchte Papiere schüren Angst vor Anschlägen mit Kleinflugzeugen

4. April 2004, 10:01
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Präsident Kwasniewski sieht sein Land durch El Kaida bedroht - Parlament uneins über Irak-Einsatz

Warschau - Der polnische Staatspräsident Alexander Kwasniewski sieht sein Land von der Terrororganisation El Kaida bedroht. Das sagte er am Freitag, einen Tag nachdem sich ein Krisenstab mit diesem Thema befasst hatte. Anlass dafür war eine im vergangenen Jahr verfasste Analyse aus den Reihen der El Kaida, die nun bekannt wurde.

Das El-Kaida-Papier beschäftigt sich unter anderem mit der politischen und wirtschaftlichen Situation in Spanien und Polen. Vermutlich hat es zur Vorbereitung der Terroranschläge von Madrid am 11. März dieses Jahres beigetragen. Polen wird darin als ein wirtschaftlich aufstrebendes Land charakterisiert, das seit der Auflösung des Warschauer Paktes eng mit den USA zusammenarbeitet. Kwasniewskis Amtszeit endet 2005, "aber wir bitten Allah, dass ihn noch vorher die Erde verschlingen möge", heißt es in dem Papier. Polen stellt unter den im Irak stationierten Truppen mit 2500 Soldaten das viertgrößte Kontingent.

Krisenstab: Gefahr eines Anschlages mit Hubschrauber oder Kleinflugzeugen

Der polnische Krisenstab erklärte, dass vor allem die Gefahr eines Anschlages mit Hilfe von Hubschraubern und kleinen Passagierflugzeugen bestehe. Etwa 500 solcher Maschinen befänden sich in Polen in Privatbesitz. Außerdem gebe es Informationen, dass Terroristen den Kontakt zu kriminellen Gruppierungen suchten, um an Sprengstoff zu gelangen.

Bartlomiej Sienkiewicz, Direktor des Warschauer Zentrums für Östliche Studien, wies am Donnerstag auf die vergleichbare Situation in Polen und Spanien hin: 60 Prozent der polnischen Bevölkerung lehnten die Stationierung von Truppen im Irak ab. Darüber hinaus gebe es im Parlament eine starke Opposition, die zum Rückzug der Soldaten aus dem Irak aufrufe.

Ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter hält Gefahr für gering

Piotr Niemczyk, ehemaliger Leiter der Analyse-Abteilung im polnischen Geheimdienst, hält die Gefahr für sein Land im Gegensatz dazu für gering. Anders als in Spanien gebe es in Polen keine arabische Minderheit. In dem El-Kaida-Dokument sieht er den Versuch, Polen einzuschüchtern.

Kwasniewski warnte vor einem Rückzug der polnischen Truppen aus dem Irak. Terroristische Anschläge würden gerade diejenigen Länder treffen, die bei ihrer Unterstützung der USA Schwäche zeigen. Außerdem führe ein Abzug der internationalen Streitkräfte aus dem Irak zu "Chaos, Krieg und wahrscheinlich zu einer völligen Destabilisierung" im Nahen Osten.

Emotionsgeladene Debatte über Irak-Krieg im Parlament

Das polnische Parlament (Sejm) führte am Donnerstag eine emotionsgeladene Debatte über den Irak-Einsatz. Einen Affront provozierte dabei ein Abgeordneter der ultrakonservativen Liga polnischer Familien (LPR). Er verglich die Anschläge irakischer Partisanen mit dem Untergrundkampf der polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Für einen Rückzug der polnischen Truppen sprach sich auch die radikale Bauernpartei Samoobrona (Selbstverteidigung) aus. Abgeordnete der sozialdemokratischen Regierungspartei SLD und der bürgerlichen Opposition erklärten dagegen ihre Unterstützung für das polnische Engagement im Irak. (APA)

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