Uni Wien: Studienassistenten-Protest gegen neue Verträge

6. April 2004, 17:08
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Ausweitung der Beschäftigungsdauer bei gleichem Gehalt

Wien - Studienassistenten an der Universität Wien protestieren gegen die ihnen vorgelegten neuen Verträge. Diese sehen bei etwa gleichem Gehalt eine sechs- statt wie bisher viermonatige Beschäftigungsdauer vor. Weiteres Problem: Jene, die nur für zehn Wochenstunden beschäftigt sind, fallen durch das geringere monatliche Gehalt unter die Geringfügigkeitsgrenze von derzeit rund 316 Euro und sind deshalb nicht mehr sozialversichert. Im Rektorat argumentiert man damit, dass für die meisten die längere Beschäftigungsdauer eine bessere soziale Absicherung bedeute - außerdem gebe es die Möglichkeit einer Vollversicherung durch Aufzahlung.

Bisher haben die etwa 250 Studienassistenten - also Studenten, die zur Unterstützung der Lehre und für wissenschaftliche Hilftstätigkeiten eingesetzt werden - der Uni Wien am Ende eines jeden Semesters jeweils Anträge für eine Beschäftigung im nächsten Studienhalbjahr abgegeben. Diese wurden auch meist genehmigt. Durch das Universitätsgesetzes (UG) gelten nun aber neue Regeln: Die Studienassistenten stehen nun nicht mehr in einem Rechtsverhältnis zum Bund, sondern sind Angestellte der Universität. Daher wurden ihnen im März, also erst einige Wochen nach Beginn des Semesters, neue Verträge vorgelegt, die manche nun nicht unterschreiben wollen. Ihr Argument: Ihr Arbeitsverhältnis habe bereits Anfang März begonnen, weswegen sie auf die Gültigkeit der alten Regelung vertraut hätten. Der Brutto-Stundenlohn betrage nun nur mehr 5,7 Euro. Mittlerweile haben einige Studienassistenten des Juridicums auch eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet.

Im Rektorat bestätigt man die Ausdehnung der Beschäftigungsdauer. Diese diene aber vor allem der besseren sozialen Absicherung. Die für 20 Wochenstunden angestellten Studienassistenten würden dadurch mehr Versicherungszeiten erlangen, außerdem käme allen nun ein Urlaubsanspruch zu. Sämtlichen Studienassistenten würden außerdem die Studienbeiträge ohne Antrag refundiert. Für jene, die unter die Geringfügigkeitsgrenze fallen, gebe es die Möglichkeit einer Vollversicherung durch Aufzahlung.

Weiterer Vorwurf: Selbst jene, die über der Geringfügigkeitsgrenze liegen, seien zu spät oder noch gar nicht bei der Sozialversicherung angemeldet worden. Laut Rektorat seien mittlerweile aber alle bei der Sozialversicherung gemeldet.

Zufrieden sind die Studienassistenten damit vorläufig nicht: Die Refundierung der Studienbeiträge sei kein Bestandteil des Entgelts, so eine Vertreterin der Uni-Beschäftigten, die sich als "Mädchen für alles" an den Unis sehen, gegenüber der APA. Viele hätten außerdem über die Studienbeihilfe schon bisher die Gebühren erstattet bekommen. (APA)

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