Falluja fürchtet die US-Rache

2. April 2004, 21:22
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Stadtrat von Falluja verurteilt Mord an Amerikanern - Erste Industrie-Messe seit dem Sturz Saddams verschoben

Falluja/Bagdad - In Erwartung eines möglichen Vergeltungsschlag der US-Streitkräfte hat der Regierungsrat der irakischen Stadt Falluja den Mord an vier Amerikanern und die Schändung ihrer Leichen verurteilt. Die Bluttat von vorgestern, Mittwoch, widerspreche der islamischen Lehre, sagte am Freitag ein Mitglied des Stadtrats. US-General Mark Kimmitt forderte den Rat auf, die Täter auszuliefern. Scheich Chalid Ahmed, einer der führenden Geistlichen von Falluja, erklärte, dass die Schändung der Leichen in den Freitagsgebeten als Verstoß gegen islamische Grundsätze verurteilt werde. Auch der von den USA eingesetzte irakische Regierungsrat wandte sich in einer Erklärung gegen "das kaltblütige Abschlachten und Verstümmeln von Zivilpersonen".

Nach der Ankündigung des obersten US-Zivilverwalters Paul Bremer, dass die Täter "nicht ungestraft" davonkommen sollten, äußerte sich US-General Kimmitt am Freitag ausweichend über einen bevorstehenden Einsatz in Falluja. "Das sollten Sie die Aufständischen fragen. Und Sie sollten den Gouverneur und den Bürgermeister von Falluja fragen", sagte er auf entsprechende Fragen von Journalisten. "Wenn sie diese Leute der Strafjustiz ausliefern, werden wir zurückkommen und mit dem Wiederaufbau von Falluja beginnen." Am Freitag waren weiterhin keine US-Truppen in der Stadt zu sehen. Falluja, 55 Kilometer westlich von Bagdad gelegen, ist seit Beginn der US-Besetzung vor einem Jahr ein Zentrum des bewaffneten Aufstands.

Auch in anderen Landesteilen hat die gespannte Sicherheitslage für westliche Ausländer Auswirkungen gezeigt: Die internationale Messe "Destination Baghdad Expo" (DBX), die am Montag in der irakischen Hauptstadt hätte beginnen sollen, wurde aus Sicherheitsgründen verschoben. "Die jüngsten Entwicklungen und die Befürchtung, dass der Ausstellungsort nicht sicher genug ist, bewogen uns zu diesem Schritt", sagte Eric Nigh von der Irakisch-Amerikanischen Industrie- und Handelskammer (IACCI), die die Messe vorbereitete, am Freitag in Bagdad.

Ein neuer Termin für die erste Messe seit dem Sturz des Saddam-Regimes vor einem Jahr stehe noch nicht fest, sagte Nigh. An der viertägigen Schau auf dem Bagdader Messegelände hätten mehr als 200 Firmen aus 26 Ländern teilnehmen sollen, darunter die wichtigsten Unternehmen, die an dem von der US-Besatzungsverwaltung gelenkten Wiederaufbaus beteiligt sind. Wie Nigh weiter sagte, werde nun auch an eine Verlegung des Schauplatzes gedacht. Das Messegelände im Stadtteil Mansur lässt sich nach Ansicht von Experten nur schwierig gegen mögliche Anschläge sichern.

In der Stadt Bakuba erschossen Unbekannte in der Nacht zum Freitag drei Polizisten aus dem Hinterhalt. Wie der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete, wurden drei weitere Polizisten bei dem Angriff schwer verletzt. Bakuba liegt rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad und ist eine weitere Hochburg der Aufständischen.

In Soul kündigte indes die südkoreanische Regierung an, sie werde trotz der problematischen Lage 3.600 Soldaten ins Kurdengebiet im Norden des Irak entsenden. In einer Erklärung des Verteidigungsministeriums vom Freitag hieß es, die Truppen würden zwischen Sulaimaniya und Erbil stationiert. Damit würde Südkorea nach den USA und Großbritannien das drittgrößte Truppenkontingent der Besatzungskoalition stellen. (APA/AP/dpa)

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