Carrera-Optyl: Weitere Maßnahmen vereinbart

9. April 2004, 15:37
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Arbeitsplatz-Gipfel: Zusätzliche Mittel für Arbeitsstiftung und Problemfälle

Linz - Nach der so gut wie endgültigen Schließung des Carrera-Optyl-Brillenwerkes in Traun bei Linz am vergangenen Mittwoch, bei der insgesamt 473 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren, fand am Freitag ein Arbeitsplatz-Gipfelgespräch beim oberösterreichischen Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (V) in Linz statt. Dabei wurden weitere Maßnahmen vereinbart, um für die vorerst noch arbeitslosen Mitarbeiter neue Arbeitsplätze zu suchen. Das Land und das AMS sagte zusätzliche Mittel zu, wenn es nötig werde. Die Einschätzung der Wirksamkeit dieser Anstrengungen war unterschiedlich.

An dem Gespräch nahmen neben Sigl Vertreter der Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, des ÖGB, der Arbeitsstiftung, des AMS und des Betriebsrates teil. Der Landesrat berichtete im Anschluss daran, die Zahl der ehemaligen Carrera-Optyl-Mitarbeiter, die inzwischen einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, sei von zuletzt 40 auf nunmehr 70 gestiegen.

Arbeitsstiftung

68 seien derzeit in der Arbeitsstiftung, die zusätzliche Qualifikationen vermittle, um ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern. Das reiche von einfachen Deutsch-Kursen bis zu einem Studium. Im Mai beginne ein Kurs für die Ausbildung zum Altenfachbetreuer, für den sich rund 15 qualifizieren könnten.

Die Teilnehmer an der Arbeitsstiftung würden nun nach dem letzten Arbeitstag im Werk am vergangenen Mittwoch erheblich mehr. Ursprünglich war mit 200 bis 230 gerechnet und dafür in einem mit dem Unternehmen vereinbarten Sozialplan eine entsprechende Finanzierung vorgesehen worden. Nun könnten es bis zu 270 Teilnehmer werden. Wenn das Geld dafür nicht ausreiche, wollen das Land und das AMS aufstocken, sagten beide zu.

Netzwerk enger knüpfen

Zudem solle das Netzwerk zwischen Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und AMS im Bezirk Linz-Land noch enger geknüpft werden, um die Vermittlungsmöglichkeiten zu verbessern. Die Qualifikation jedes Einzelnen soll noch genauer mit den Arbeitsplatzangeboten der Firmen verglichen werden, um die Treffsicherheit der Bewerbungen zu verbessern. Weiters gebe es eine Gruppe von Arbeitslosen, die in einer besonders schwierigen Situation seien: Kurz vor dem Pensionsalter, aber zu wenig Versicherungsmonate und wegen des Alters fast nicht vermittelbar. Hier wollen Land und AMS mit Lohnzuschüssen helfen.

Wenig Chancen gibt es, auf dem Areal und mit den leer stehenden Gebäuden von Carrera-Optyl einen neuen produzierenden Betrieb anzusiedeln und damit dort wieder Arbeitsplätze zu schaffen. Das Firmengelände ist als gemischtes Baugebiet gewidmet, inzwischen liegt es aber mitten in bewohntem Gebiet. Die Widmungsmöglichkeiten sollen aber noch weiter geprüft werden.

Weiteres Treffen

Sigl betonte, das angewendete Instrumentarium schöpfe alle Möglichkeiten aus, es gebe aber keine Bevorzugung der Betroffenen gegenüber anderen in der gleichen Lage. Im Juli werde es ein weiteres Treffen geben, damit - wenn nötig - "nachjustiert" werde. Der Landesrat stellte fest: "Letztendlich haben wir uns immer als Ziel gesetzt, 2004 diese Problematik insgesamt auflösen zu können" und glaubt, es erreichen zu können.

Der Carrera-Betriebsratsobmann und SPÖ-Nationalratsabgeordnete Hermann Krist erklärte nach dem Gespräch: "Den Optimismus spüre ich auch". Und zum Ziel, dass bis Jahresende alle wieder Arbeit gefunden haben: "Ich hoffe es, glaub' es aber nicht so recht". Es gebe zu wenig in Arbeitszeit und Bezahlung adäquate Jobs. Der Landessekretär des ÖGB Oberösterreich Erich Gumplmaier äußerte sich ebenfalls abwartend, ob der Arbeitsmarkt die Arbeitslosen aufsaugen könne. Der ÖGB werde "mit Argusaugen" darüber wachen, ob die gemachten Versprechen eingehalten werden. In Richtung Wirtschaft verwies er auf das große Engagement des Betriebsrates, der in dieser Krisensituation eine wichtige gesellschaftliche Rolle übernommen habe. Deshalb sei die Förderung des Belegschaftsvertretung in den Unternehmen letztlich ein Gewinn.(APA)

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