Minimalistische Wuchtbrumme

9. April 2004, 13:25
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Santiago Sierra-Ausstellung "300 Tonnen/300 tons" im Kunsthaus Bregenz - Gewichtsbelastung lässt nur begrenzte Besucherkontingente zu

Bregenz - Das Kunsthaus Bregenz (KUB) ist bis 23. Mai mit "300 Tonnen" Minimalistischem an der Grenze seiner physikalisch-statischen Belastbarkeit. Anlass ist die erste Österreich-Einzelausstellung von Santiago Sierra: "300 Tonnen/300 tons". Der 1966 in Spanien geborene und seit 1995 in Mexiko City lebende Sierra und KUB-Direktor Eckhard Schneider gaben bereits zu Mittag einen Einblick in die nach Gary Hume (24.1.-21.3.) zweite der insgesamt fünf diesjährigen Ausstellungen im Kunsthaus.

Santiago Sierra gehört laut Schneider zu den am meisten diskutierten Künstlern der jüngeren Generation, er sorgt mit sozial- und kunstkritischen Aktionen weltweit für Aufsehen. Spätestens seit der 50. Biennale in Venedig 2003, als er den Haupteingang des spanischen Pavillons zumauern ließ, wurde er auch einem breiteren Publikum bekannt. Formal steht Sierra in der Tradition von Minimal-Art und Land-Art sowie der Performance-Art der 60er und 70er Jahre. Seine Sprache ist von geometrischen, idealisierten Grundfiguren geprägt: Kuben, Quadern, Linien, Quadraten. Dieses Formenvokabular verbindet der Künstler mit gesellschaftlichen Zusammenhängen, um die Machtverhältnisse in kapitalistischen Systemen und die Abhängigkeit der Dritten Welt von der Ersten Welt zu vergegenwärtigen.

Immer der Reihe nach

Für Bregenz hat Sierra ein Konzept realisiert, bei dem die Tragfähigkeit der Konstruktion des Kunsthauses zum emotionalen Prüfstein für das Publikum wird. Mit fast 300 Tonnen wird der dritte Stock des Hauses belastet. Es wird immer nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern zugelassen. Der Künstler reagiert damit auf die minimalistische, kubische Reduktion der Material- und Formensprache der Architektur des KUB. Sierra knüpft mit diesem Werk an seine frühen minimalistischen Arbeiten an und erweitert seine künstlerischen Strategien zum ersten Mal auf die gesamte Architektur eines Hauses. Um das enorme Gewicht vom obersten Stock in die Fundierungspfähle abzuleiten, werden auch die beiden Untergeschosse mit jeweils 15 vertikalen Baustützen verstärkt. Die unteren Stockwerke bleiben bis auf die statisch notwendigen Baustützen leer.

Die Sommerausstellung (12.6. bis 5.9.) ist der amerikanischen "Text"-Künstlerin Jenny Holzer (54) gewidmet. Im Herbst (18.9. bis 7.11.) folgt die bisher umfassendste Werkschau und erste Österreich-Einzelausstellung des Deutschen Thomas Demand (40). Zum Ausklang (20.11. bis 9.1.2005) ist das KUB Schauplatz für die erste größere Präsentation des "hoffnungsvollen" österreichischen Künstlers Hans Schabus (34). (APA)

Kunsthaus Bregenz : Ausstellung "300 Tonnen" von Santiago Sierra, 3.4. bis 23.5. 2004, Tel. 05574-48594-13
  • Santiago Sierra vor seiner Arbeit 
"300 Tonnen/300 tons"
    foto: kunsthaus bregenz

    Santiago Sierra vor seiner Arbeit "300 Tonnen/300 tons"

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