Männer leben riskanter und kürzer als Frauen

9. April 2004, 18:58
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Erster Gesundheitsbericht über das männliche Geschlecht in Wien präsentiert - mit Grafik

Wien - Österreichs Männer sterben im Schnitt um 5,7 Jahren früher als die Frauen, fühlen sich aber gesünder. Das ist der Grundtenor des am Freitag von den FP-Staatssekretären Ursula Haubner (Soziales), Reinhart Waneck (Gesundheit) und Karl Schweitzer (Sport) in Wien präsentierten ersten österreichischen Männergesundheitsberichts. Die knapp 200 Seiten umfassende Studie ist auch die erste diesbezügliche, landesweite Erhebung in der Europäischen Union (EU).

Männer hätten, so Gesundheitsstaatssekretär Waneck, tendenziell ein höheres Risiko an geschlechtsspezifischen Erkrankungen zu leiden als Frauen. "Da sie allerdings kürzer leben, leiden Männer auch kürzer. Männer haben durchschnittlich 60 gesunde Jahre, Frauen 62", führte Waneck weiter aus.

Vorsorgeuntersuchung

Obwohl Männer häufiger krank sind als Frauen, gehen sie seltener zum Arzt. "Ein Mann fühlt sich so lange pumperlg'sund, bis er tot umfällt", hatte der Salzburger Androloge Dr. Andreas Jungwirth dazu einmal angemerkt. Das untermauern auch die Zahlen zur Gesundenuntersuchung: 2003 gingen rund 500.000 Frauen zur Vorsorgeuntersuchung, aber nur 350.000 Männer. Dabei gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle. Während in Vorarlberg, so Waneck, rund 30 Prozent dieses Angebot nützen, sind es in Niederösterreich nur noch 6,1 Prozent. "Eine junge, sportliche Frau in Westösterreich lebt im Schnitt um neun Jahre länger als ein gleichaltriger, unsportlicher Mann im Osten." Die durchschnittliche Lebenserwartung des Österreichers beträgt 75,5 Jahre, das entspricht jener der Österreicherinnen vor 20 Jahren.

"Männer müssen stärker zur Gesundenuntersuchung motiviert werden", forderten die drei Staatssekretäre. Waneck schlug dazu ein Bonussystem vor: "Wer sich dieser regelmäßig unterzieht, könne etwa mit niedrigeren Krankenkassenbeiträgen belohnt werden." Den freiwilligen Check gibt es seit 1974, er soll heuer auf den neuesten Stand gebracht werden.

Rauchverzicht und Bewegung

Eine höhere Lebenserwartung brächten aber vor allem zwei Maßnahmen: "Jeder, der aufs Rauchen verzichtet, lebt acht Jahre länger. Jeder, der sich regelmäßig bewegt, kann nochmals sechs Jahre draufsetzen", sagte Waneck. 61 Prozent der Österreicher bewegen sich, so Schweitzer, überhaupt nicht. "Regelmäßiger Sport minimiert aber zum Beispiel das Herzinfarktrisiko um 80 Prozent", so der Sportstaatssekretär. Mit der Aktion "Fit für Österreich - Ein Weg zur Senkung der Krankheitskosten" will Schweitzer "weg von den Krankenkassen, hin zu den gesunden Kassen". Eine Maßnahme dieser Aktion ist u.a. die Förderung innerbetrieblicher Gesundheitsvorsorge und Sport-Angebote. "Freude an der Bewegung erhöht die Lebensqualität, bringt weniger Krankenstände und damit enorme Einsparungen."

Sozialstaatssekretärin Haubner sagte, sie wolle in den Budgetverhandlungen 2004 mehr Geld für die Forschung in Sachen Männergesundheit ausverhandeln und sich für die Schaffung von Männerberatungsstellen einsetzen. Weiters werde es im Sozialressort in diesem Jahr eine "Väter-Initative" mit einer Väter-Konferenz im Herbst geben. (APA)

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    Grafik: Männer leben gefährlich

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